So, fast geschafft - letzter ganzer Urlaubstag. Wir können unsere Koffer im Haus lassen und schlendern am Morgen noch einmal durch Çanakkale:
wir finden ein hübsches Café am Wasser
Wir fragen nach der Speisekarte, der Kellner gibt uns zu verstehen, dass sie keine Speisekarte haben, bittet uns aber zu warten und kommt dann mit einem Kollegen im Schlepptau zurück, den er uns dann als "Menu" vorstellt: er kann nämlich etwas Englisch. Wir bestellen Çay und Tertia bekommt ein türkisches Frühstück im Tübinger Mensa Gedächnis-Tablett - ist aber deutlich leckerer als früheres Mensa-Essen (ist ja auch nicht schwer)
Hier sieht man schön zwei der großen Containerschiffe die wie an einer Schnur aufgefädelt in beiden Richtungen und im 5 Minuten-Takt durch die Meerenge fahren
Wir laufen weiter durch die Stadt und versuchen herauszufinden, wie wir zum otogar und unserem Überlandbus kommen. Irgendwie sind Bushaltestelle Mangelware.
Dafür: the original trojan horse - ich habe den Film nie gesehen, vielleicht sollte ich ja mal
Ein Uhrenturm von 1896
(Falls es jemanden interessiert, hier ein interessanter Wikipedia-Artikel zu Uhrentürmen, und dass es in der Türkei eigentlich erst mit der Einführung der europäischen Zeiteinteilung diese Türme gibt - und das war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, teilweise bis 1912. Davor hatte man man den Tag und die Nacht in jeweils 12 gleich lange Stunden unterteilt. Im Sommer waren die Tagstunden sehr lang und Nachtstunden kurz und im Winter umgekehrt - und weil sich Sonnenaufgang und Sonnenuntergang ja immer verschieben, musste man jeden Tag die Uhr neu stellen - wieder was gelernt)
Zurück nach Çanakkale, wo es nur vereinzelt verschleierte Frauen gibt und die Bierkästen und -Fässer vor den Kneipen auf ihren Austausch warten.
Wir holen unsere Koffer ab und machen uns auf die Suche nach einem Bus zum otogar. Wir sind aber eher erfolglos, immerhin gelingt es mir, die "Stadtwerke" oder so ähnlich Inernetseite mit den Buslinien ins deutsche zu übersetzten und weiß ich, dass wir den Bus C9 suchen müssen. Es gibt aber keinen Plan, wo die Busse abfahren ... nur den Namen der Anfanghaltestelle und die findet dann aber google maps nicht und eine Übersetzung hilft uns auch nicht (also nicht, dass es HAFEN oder UNIVERSITÄT wäre).
Wir finden ein Büro unseres Busunternehmens und lassen uns erklären (auf türkisch bzw. mit Handy-Übersetzung), wo wir den Bus raus zum otogar finden. Gerade aus, über die Ampel, dann rechts und gegenüber dem Krankenhaus. Es gibt aber keine Ampel und ein Krankenhaus finden wir auch nicht. Während miomarito und Tertia noch mal eine Kleinigkeit essen und trinken, mache ich mich zu Fuß auf den Weg zu unserem Ankufts-Ausstiegsort. Da ist aber auch keine Bushaltestelle. Ich verfolge - falsche - Busse, um eine Idee zu bekommen, wie das Bussystem hier funktioniert (das gleiche mach miomarito von seinem Café.Platz an einer großen Straße auch). Ich stehe an der großen Schule, an der wir auch ausgestiegen sind und fange an, Leute zu fragen, ob sie mir die Haltestelle des Bus zum otogar, der C9, zeigen können - es spricht nur niemand Englisch und die Handys übersetzen nur Müll. Irgendwann gebe ich auf, gehe zu Tertia und miomarito zurück, die vom Besitzer des Cafés eine Beschreibung erhalten haben - die dann auch nicht stimmt (oder wir sind einfach zu blöde). Jedenfalls geben wir auf und winken ein Taxi herbei. Nicht ohne dass ich verkünde, dass ich leider noch einmal nach Çanakkale muss, um diese blöde Bushaltestelle zu finden. Also echt!
Am otogar treffen wir auf den größten Kater, den ich je gesehen habe:
und müssen natürlich auf unseren Bus warten und deshalb noch mal Çay trinken
Wir werden außerdem von einem nicht so wirklich Uniform tragenden Mann nach unseren Ausweisen gefragt und diese werden dann kontrolliert. Miomarito fragt ihn, ob er Polizei sei (fand das mutig) und er meint, jaja, und verschwindet dann immerhin in das Büro der Jandarma.
Wir fahren gemütlich in einem noch neueren Bus wieder zurück nach Istanbuls (wieder mit Eis!)
Allerdings werden wir auch einmal von der Polizei angehalten und der ganze Bus kontrolliert - keine Ahnung warum
Hier die Brücke über die Dardanellen in voller Größe
Hier günstiges Benzin direkt aus Russland
und wie man hier schön erkennen kann, sind eben auch die Autobahnen etwas überdimensioniert. Klar, kurz vor Istanbul werden die dann voller, aber auf der Strecke davor ... sind wir meist das einzige Fahrzeug weit und breit
Istanbul im Abendlicht
wir kommen wieder am Busbahnhof an
Wir hatten uns von Çanakkale aus ein Hotelzimmer für die letzte Nacht in Istanbul reservieren wollen, mussten dann aber feststellen, das booking.com in der Türkei nicht funktioniert. Also wurde ich etwas nervös, aber es fand sich dann etwas über Airbnb. Miomarito hatte sich einen Plan überlegt und das Hotelzimmer so ausgesucht, dass wir a) am Abend noch gut hinkommen würden und es b) am nächsten Morgen noch schaffen würden, schnell in die Altstadt zu fahren, um dort den jetzt wieder geöffneten Großen Bazar zu besuchen und c) dann zurück zum Hotel (12 Uhr) und noch rechtzeitig zum Flughafen zu kommen.
der Teil von Istanbul, in dem wir heute übernachte, ist definitiv Großstadt
unser Hotelzimmer fast eine Wohnung und sehr chic, aber leider brauchen wir das ja gar nicht
wir springen schnell noch mal raus und finden ein Fastfood-Döner-Restaurant, wo wir noch etwas zu essen bekommen (um 22 Uhr ist aber Schluß, der Laden macht zu), dann heißt es ab ins Bett. Der Zeitplan für morgen ist anspruchsvoll.
Ein bisschen Genua-Feeling am Morgen
Ansonsten ein Hauch von New York City, alle hetzen zur Arbeit, ein Wahnsinns-Verkehr, die Metro spuckt immer neue Massen an Menschen aus, die gelben Taxis tun ihr übriges
Wir fahren aber schnell, schnell wieder ins Zentrum:
Tertia entdeckt allerdings einen Tost-Automaten in der Metro muss muss unbedingt ausprobieren, wie ein Döner-Toast schmeckt:
(war gut)
wir sind deutlich vor 10 Uhr am Bazar und haben jetzt ca. 1,5 Stunde
ich bin zunächst etwas enttäuscht bzw. sehe meine eh nicht hohen Erwartungen bestätigt, nämlich, dass hier nur weiterer Ramsch verkauft wird.
Miomarito war hier vor 25 Jahren gewesen und meint, dass alles völlig anders war, Holzverschläge, die Läden mit vielen Teppichen ausgelegt, Männer, die einem am Ärmel zum Çay trinken in den hinteren Laden zogen usw. Leide habe ich auch die Schnelle keine Bilder davon gefunden, wie der Bazar früher aussah.
(Hier aber eine kleiner überraschender Blick zurück in die Vergangenheit - keine Ahnung, warum das da auf Deutsch steht)
Und es gibt tatsächlich schöne Teppiche, schönen Schmuck (neben ganz, ganz schlimmem Zeug) und schöne Schüsseln, Teller und Fliesen:
Der Bazar ist wirklich groß, langsam füllte er sich auch mit Touristen, als wir kamen, war man gerade erst beim Öffnen und wir müssen wieder in Richtung Hotel los.
von der Metro-Station auf der Brücke
Schnell zum Hotel, um unsere Koffer abzuholen (genau 12 Uhr, perfekt), mit der ersten Metro weiter und dann eigentlich mit der nächsten Metro zum Flughafen, der immerhin 40 km außerhalb von Istanbul liegt. Dummerweise haben wir unsere Instanbulkart am Morgen im Hotelzimmer liegen lassen. Da waren nicht mehr viele Fahrten drauf und man kann die Metro, die Tram, die Busse und Fähren, das wussten wir ja inzwischen, auch direkt mit der Kreditkarte bezahlen. Was wir nicht wussten, dass die Metro zum Flughafen gar keine Metro ist sondern ein Zug von der türkischen Bahn. Sieht zwar aus wie eine Metro, wird auch so angeschrieben, aber man kann sie eben NICHT mit Kreditkarte bezahlen. Dazu kam, dass sich unsere Umstiegs-Station über mehrere Quadratkilometer erstreckte und wir mindestens 15 min zu Fuß unterwegs waren, um zur zweiten Metro zu kommen. Wir waren also spät dran, dann ging das mit der Kreditkarte nicht, dann wollten wir uns noch mal eine Istanbulkart kaufen, was auch nicht klappte und am Ende half uns ein Typ von der Metro, eine Karte von der türkischen Bahn zu kaufen und aufzuladen - meine Nerven. Unsere Metro (sie fährt nicht so oft) war natürlich weg.
Aber, der Istanbuler Flughafen (der nach Passagieraufkommen größte Europas) ist nigelnagelneu und genauso überdimensioniert wie die neuen Autobahnen, sprich, selbst wenn nur die Hälfte aller Check-In-Dinger (online einchecken ging nämlich auch nicht) oder Passport-Kontroll-Häuschen usw. besetzt sind, muss man trotzdem nirgends groß anstehen. Tertia bekommt noch ihr Trockenshampoo abgenommen, das sie in ihrem Handgepäck vergessen hatte, und das war es dann auch mit der Aufregung.
So, ein letzter Blick aus dem Flugzeugfenster und ein etwas ruckelnder (aber nicht schlimm) Flug nach Haus (also Stuttgart, dann Bus und Bus)
Ich habe jetzt ein paar Tage gebraucht, um mich von dem Programm zu erholen, aber toll war's, interessant, viel neues gesehen, das mit Troja und dem Hellespont hat mich überraschend glücklich gemacht und auch wenn Istanbul eine wirklich faszinierende Stadt ist, ich glaube nicht, dass ich da unbedingt noch einmal hin muss. Aber nach Çanakkale, die Bushaltestelle finden!!
Und, da Tertia nächste Pfingstferien mit ihrer Freundin und deren Familie nach Barcelona in Urlaub fährt, können miomarito und ich zwei Wochen mit noch mehr Kultur und Geschichte planen (Burgund? Südspanien? (so zum Ausgleich) oder doch was ganz anderes?!)





































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