Der vierte Tag in Istanbul - ein Samstag bei strahlendem Sonnenschein. Sehr schön!
wir laufen gemütlich durch unser Viertel zur Tram
es scheinen wieder mehr Geschäfte geöffnet zu sein, die Woche des Opferfest neigt sich dem Ende zu
neu neben alt und ganz alt
es ist noch eher früh am Tag und entsprechend wenig(er) los
wir warten auf die Tram
Alles was öffentlich Infrastruktur in Istanbul ist scheint wirklich tip top zu sein und zu laufen, in Teilen wirkt auch einiges etwas überdimensioniert, der Flughafen zum Beispiel oder die Autobahnen (dazu später). Es wird überall wie blöd gebaut. Die Inflationsrate lag in den letzten Jahren allerdings bei fast 50%, inzwischen "nur noch" bei ca. 35%. Das kann man auch schön sehen, wenn man Karins Bericht über Istanbul liest, wo sie mit ihrer Familie vor 3 Jahren war und eine Fahrt damals mit dem ÖPNV 9 Lira gekostet hat - heute zahlt man 42 Lira - das ist immer noch vergleichsweise wenig, ca. 80 Cent, man muss aber bei jedem Umsteigen neu zahlen und so läppert sich dann über den Tag doch einiges zusammen. Aber man kann für fast den selben Preis (nicht ganz 60 Lira) eben auch die Fähren benutzen und das ist schon ein Traum, weil man mit denen nicht nur einfach übersetzen sondern auch länger wohin fahren kann (kommt auch noch).
In Eminönü angekommen trauen wir fast unseren Augen nicht, weil der Bereich (Tram, Metro, Fährableger, Restaurants) fast leer ist - bisher war das immer voll wie direkt vor einem Konzert oder vorm Stadion ... oder auf dem Wasen (Wiesen war ich noch nie).
erst einmal frühstück: Simet - aber nachdem wir am Tag vorher so gute frische Simet aus dem anatomischen Viertel hatte .. mäh ... Tertia vermutet, diese seien noch vom Vortag
Diese einheitlichen Stände stehen überall herum und man bekommt Simit, machmal auch mit Frischkäse oder Nutella (haben wir nur nie gemacht) und Getränke
(hier ist sie im Kreise ihrer Familie begraben)
ein bisschen arg bunt gemischt, aber mir gefällt's
Jetzt aber zur Zisterne. Der Eingang ist etwas versteckt, ich dachte erst, es sei der Eingang zu einer MetroStation oder ähnlichem, aber man bezahlt "nur" 17€ pro Person (nicht über 55€ tagsüber - abends noch mehr - wie für die Yerebatan-Zisterne - und es gibt keine lange Schlange. Die Yerebatan-Zisterne wurde übrigens - wie ich gerade gelesen habe - jetzt einfach geschlossen- Streit zwischen Istanbul (Stadt) und Ankara (Regierung) - also ein noch besserer Geheimtip: einfach zur Theodosius-Therme gehen ;-)
ich fand es wirklich beeindruckend
fast 2000 Jahre alt
und fast niemand da
Danach fühlen wir uns gewappnet für eine der großen Touri-Attraktionen, die blaue Moschee. Auf dem Weg dahin mal wieder "Türkisch für Anfänger":
So sehr ich mich ja über die horrenden Eintrittspreise aufgeregt habe, in alle Moscheen (bis auf die Hagia Sofia) kommt man kostenlos rein und wenn man dann die Preise auf quasi alles, was man sich angesehen hat, umlegt, dann ist es schon nicht mehr ganz so schlimm - aber trotzdem!! ;-)
Die Moschee ist wirklich wunderschön (sie wurde von einem Schüler Sinans erbaut)
("Kornleuchter" leider wieder im Weg) und war lange die Hauptmoschee Istanbuls
(jetzt ist es wieder die Hagia Sofia)
man darf sich in den eher touristischen Moscheen einfach wie alle anderen auf den Teppichboden setzen, Kinder rennen durch die Gegend, Erwachsene hängen am Handy, Fotos machen ist kein Problem solange man nicht Betende fotografiert
Frauen dürfen allerdings nur in der hinterletzten Ecke hinter den Schuhregalen beten
(zur Zeit Mohameds betete man wohl zwar nach Geschlechtern getrennt, aber im gleichen Raum, ohne irgendwie geartete räumliche Trennung und mit gleichem Platzangebot)
Wir laufen dann wieder zum Großen Bazar, um nachzuschauen, ob der wirklich immer noch geschlossen ist - er ist es:
Der Bazar öffnet erst am Montag wieder, aber da fahren wir nach Çanakkale und haben keine Zeit mehr. Dafür entdecken wir beim Laufen um den Basar herum echtes Streetfood:
Wir teilen uns ... ich weiß gar nicht mehr, was das genau war, irgendwas mit Hammel und das ist tatsächlich das erste Essen in Istanbul, das richtig, richtig lecker ist.
anschließend schieben wir uns noch mal durch den Gewürzbasar auf der Suche nach einem Nachtisch
Ich kaufe mir das hier, Blätterteig mit Pistazien, anders als Baklava ist es aber etwas trocken, miomarito hatte schon beim letzten Mal etwas entdeckt, was er, wie sich herausstellen sollte fälschlicherweise, als etwas wie eine Farinata (Kichererbsenkuchen) identifizierte. Die Überraschung war dann groß, weil das Teil super-süß war:
Künefe
Das ist wohl DIE Nachspeise in der Türkei, ein in Engelshaar-Teig gebackener - neutraler (ohne Salz) - Käse mit sehr, sehr viel Zuckerwasser übergossen, oder gleich in Zuckerwasser gebacken. Dagegen ist Baklava eine leichtes, nicht besonders süß schmeckendes Gebäck. Tertia und miomarito weigerten sich, mehr als einen Bissen davon zu essen. Ich fand es super, habe den Rest gegessen und dann war mir doch etwas schlecht - aber so toll (ich esse wenig süße Sachen, aber dieses ganz süßen türkischen/arabischen Sachen: so lecker!!)
Hier übrigens die Katzen-Gang des Gewürz-Bazars - alles von oben im Blick
Wir machen uns dann auf den Weg zum Taksim-Platz auf der anderen Seite des Goldenen Horns, liefen bis zur Haltestelle Haliç die sich mitten auf der Metro-Brücke befindet
und von der man einen sehr schönen Blick über die Stadt (bzw. teile der Stadt) hat
Nachdem wir in Sachen Übersetzung ja mit Französisch bisher ganz gut gelaufen sind (weitere schöne Beispiele: Friseur ist kuaför, am Handy meldet man sich mit allo!, ein Betrieb zur Auto"aufhübschung" heisst otokuaför, otogar ist der Busbahnhof und Jandarma die Gendarmerie - es gibt noch viele Beispiele, dir mir jetzt nicht einfallen, auf jedenfalls hat sich "der Türke" gedacht, tolle Wörter, ihr lieben Franzosen, aber wir schreiben die jetzt dann doch lieber mal so, wie man sie tatsächlich ausspricht - was es uns dann sehr einfach gemacht hat - wenn man mal drauf kommt, dass man das Wort mal laut aussprechen sollte). So, jetzt aber Taksim-Platz (per Metro) und der heisst auf türkisch
Taksim Meydanı
Moment, meydanı? Maydan? Maidan? Und tatsächlich für Platz hat man den Russischen/Ukrainischen Begriff Maidan übernommen. Und wie man oben sieht: Asansör ist der Aufzug, Füniküler die Seilbahn - und mir fällt noch rezervasyon für Reservierung ein.
Taksim-Platz mit der gleichnamigen Moschee
Zunächst machen wir einen kleinen Abstecher zum Gezi-Park (der mit den Protesten damals), dort ist aber viel Polizei und es werden gerade Absperrungen aufgebaut - wohl wegen einer Umweltschutz-Veranstaltung auf dem Taksim-Platz, was uns etwas übertreiben vorkommt, aber da wir das politisch nicht einschätzten können, schmeissen wir uns in die große Einkaufsstraße:
dort ist wieder die Hölle los, die Geschäfte haben bis 22 Uhr geöffnet, man schiebt sich durch die Straßen, vermutlich gibt man eben Geld, das so schnell seinen Wert verliert, lieber schnell aus und Tertia und ich gehen auch Shoppen:
Es gibt auch h&m und Mango usw. aber wir gehen zu KOTON (dasselbe auf türkisch). Die Preise sind auch hier wieder fast die gleichen wie in Deutschland, keine Ahnung wie das funktioniert. Tertia kauft sich eine kurze Hose (dann doch bei h&m) und ich eine "Haremshose" und hoffe, dass das keine kulturelle Aneignung ist ...
noch mal leicht zu erschließendes Türkisch
Prova Kabini
erinnert uns jetzt eher an Weihnachtsdekoration
Wir suchen ein Lokal, in dem wir zu Abend essen können, sind wieder nur so mittel begeistert, ich nehme nach der Künefe-Zucker-Bombe aber auch lieber nur einen Salat
wieder zurück zur Metro
erneuter Blick auf Istanbul bei Nacht von der Metro-Station auf der Brücke und hier endlich der versprochene Blick aus unsere Dusche auf den Galata-Turm




















































































