martedì 9 giugno 2026

Reise, Reise V (letzter Tag in Istanbul)

So, letzter Tag in Istanbul. Auf der Liste mit großen Sehenswürdigkeiten haben wir noch nicht den Topkapi-Palast abgehakt, gestern sind wir mal kurz vorbei gelaufen und haben geschaut, wie die Schlangen-Situation ist und ... ja ... ziemlich lange Schlange, also wollen wir eigentlich früh los. 

Zuerst will miomarito aber noch eine alte griechisch-orthodoxe Kirche anschauen, die nur am Sonntag geöffnet ist, dafür laufen wir erst einmal wieder durch Little San Francisco, wo noch rein gar nichts los ist, selbst die Treppe, auf der alle immer Selfies machen ist leer (Es gibt auch noch einen Innenhof mit bunten Regenschirmen ...)



Das besondere an dieser mittelalterlichen Kirche ist, dass sie die einzige Kirche Istanbuls ist, die nie zerstört oder in eine Moschee oder etwas anderes umgewandelt wurde - warum weiß man nicht so genau. Als wir ankommen ist sie geschlossen und ich flucht ein bisschen, denn wir mussten ziemlich den Berg hoch (wieder einmal), die Kirche ist in der Nähe des griechischen Gymnasiums, das man von unserer Terrasse aus sehen kann (Fälschlicherweise wird das Gymnasium im Internet oft als die Kirche bezeichnet). Die Kirche sieht aber so aus: 

Glockenturm!

... und stammt aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Während wir dumm vor der Kirche herumstehen, neben uns ein Polizeiauto mit laufendem Motor, das sich auch nicht mehr wegbewegt (keine Ahnung, ob der die Kirche bewacht/beschützt - sonst war da eigentlich nichts), kommt eine ältere türkische Frau auf uns zu, erklärt irgendwas auf Türkisch und schließt uns die Kirche auf. 

Die Kirche, die Maria von den Mongolen heißt, hat ein paar mittelalterliche Ikonen, leider reichen unsere Ikonen-Kenntnisse nicht, um heraus zu finden, welche der vielen Ikonen dort jetzt die wirklich alten sind. Der Raum ist eher klein und wirkt ziemlich vollgestellt. Mir ist etwas unangenehm, dass die arme türkische Frau jetzt darauf warten muss, bis wir komische deutschen Touristen uns alles angeschaut haben - bis mir einfällt, das ich genau den gleiche Job hier habe und es immer nett finde, wenn Leute sich unsere kleine Kirche anschauen ...


(vielleicht ist das mit den Kronleuchtern ja auch schon was griechisches gewesen ...)

Wir ziehen weiter, wieder runter, wo schon die ersten Gruppen von einem Kreuzfahrtschiff über die bunten Regenschirme und die bunte Treppe kurz durchs Viertel geführt werden. Auf dem Weg zur Tram-Haltestelle kommen wir an einer weiteren griechisch-orthodoxen Kirche vorbei, aber da Gottesdienst ist gehen wir nicht rein:

Die Kirche (Aya Nikola Rum Ortodoks Kilisesi) wurde allerdings im 19. Jahrhundert auf einem Vorgängerbau, der auch nicht wirklich alt war, errichtet, ist also nicht wirklich alt. 


Weil wir jetzt doch Hunger haben, gehen wir zu dem Café, in dem wir am ersten Tag gefrühstückt haben und essen noch mal süßen Börek und ich schaue mal, wie ein türkisches Espresso aussieht:

gut, aber auch eher ohne "Wumms"

Jetzt aber wirklich Topkapipalast und Harem und Hagia Irene. Der Weg zum Palast beginnt unten am Gülhane Park und wir werden gleich von einem Mann in einer Bude angesprochen, ob wir nciht schon bei ihm Karten für den Palast kaufen wollen, um so die Schlange zu umgehen. Das ist verlockend - die Schlange war gestern wirklich lang - aber inzwischen sind wir ja erfahren und lehnen nach Nennung des Preises (noch teuer als eigentlich) und der Tatsache, dass er behauptet, dass wir oben dann NOCH MAL für die Hagia Irene bezahlen müssten, dankend ab. Als wir später an der Bude wieder vorbeikommen, ist sie plötzlich auch eine für Hop on-Hopp off Busfahrten durch Istanbul ... 

Wir Erwachsene laufen schweren Herzens am archäologischen Museum vorbei ... Tertia war wirklich tapfer und kooperativ, wir wollen sie jetzt nicht noch durch so ein total langweiliges Museum schleppen. Wir schleppen sie "nur" durch den Topkapi-Palast .. und das Harem ... für insgesamt über 150€ ... Jetzt, da wir dort waren, kann ich Tipps geben. Es ist viel zu viel, man kann sich unmöglich alles sinnvoll ansehen, jedenfalls nicht, wenn man nicht nur einfach durchlaufen möchte. Leider kann man das Ticket nicht auf zwei Tage strecken, man muss sich alles an einem Tag anschauen. Man kann ein Ticket nur für den Palast kaufen, aber nicht nur für das Harem oder nur die Hagia Irene. Die kann man, mal im Palast, zur Not noch dazu kaufen, aber eben nicht einzeln - jedenfalls soweit man uns das erklärt hat. Ich würde bei einem nächsten Besuch - den es mit Sicherheit nicht geben wird ;-) - zu allererst ins Harem gehen, das ist eigentlich der schönste Bereich und danach kann man sich den Rest anschauen. Aber, wussten wir nicht.


Ich habe am Anfang viel Zeit damit verschwendet, mir eine Ausstellung in und über die Küche des Palastes anzusehen, dann waren wir in einem Teil, der sich ausschließlich der Kleidung der Herrscherfamilie widmete, das war ganz interessant, aber frisst halt auch ordentlich Kapazitäten: 

Das sind Kaftane des Sultans - aus dem 17. Jahrhundert

Ich war überrascht, wie gut das alles erhalten ist - und habe ehrlich gesagt Zweifel, ob das wirklich die Originale sind

Besonders interessant fand ich die sogenannten Talisman-Hemden

davon gab es sehr viele, die wurden zu astrologisch günstigen Zeiten geschneidert und dann mit Koran-Versen und Zahlenreihen beschrieben. Man kann das auf dem Fotos leider nicht so richtig erkennend aber jede Reihe sind Buchstaben oder Zahlen, die den Träger beschützen sollen.

Hier noch eine Hose, leider wurde nicht erklärt, wie genau man die anzieht/befestigt, aber auch sehr hübsch: 

 

(Männer- und Frauenkleidung schient sich übrigens nicht groß unterschieden zu haben, es gab auch viele Frauenkaftane, die etwas kürzer waren, aber auch die Kleidung der Prinzen und Prinzessinnen sah eigentlich gleich aus) 


zwischen durch mal frische Luft schnappen und Ausblick genießen 



Wieder rein und die Ausstellungen (Tertia war schon ziemlich angesäuert - zu recht) viel Bling bling, aber ich wollte die Karte des Piri Reis sehen, die sich im Topkapi-Palast befindet. Wurde aber wohl nicht ausgestellt oder wir haben sie übersehen. Leider. 



Dafür gab's den Topkapi-Dolch
(es gibt den Film Topkapi aus den 60er Jahren mit Peter Ustinov, Maximilian Schell und Melina Mercouri, wo dieser Dolch gestohlen werden soll)

Und dann wird es wirklich kurios, und ich werde etwa sauer, weil in Kombination mit dem hohen Eintrittsgeld, dem Fehlen der Piri Rice Karte und meinen Zweifeln an den original 16./17. Jahrhundert Kaftanen ... reicht es dann auch wirklich: 


DER STAB DES MOSES!!


mit DATIERUNG!


Das Schwert DAVIDS - ebenfalls datiert


Der Fußabdruck Mohameds, den gibt es mehrmals

Klar, christliche Reliquien mit einem Splitter vom Kreuz Jesu oder anderen Absonderlichkeiten gibt es, aber die werden ja in staatlichen Museen nicht unkommentiert oder uneingeordent ausgestellt. 

Was ich leider verpasst habe, weil ich dann irgendwann nur noch durch marschiert bin, waren die Haare vom Bart des Propheten ... dafür gab's aber noch das hier: 


Ein Behältnis zum Aufbewahren der Sandale des Propheten 

Eigentlich hatte ich da wirklich genug, Tertia hatte sich eh schon vor Ewigkeiten abgesetzt und miomarito wurde auch etwa zornig. Aber wir wollten ja noch ins Harem und zur Hagia Irene. Also weiter, weiter: 


Die privaten (die waren allerdings gar nicht sooo privat, der Sultan empfing da auch Leute, aber eben in gemütlicher) Teile (also Harem ist der private Bereich in einem islamischen Haushalt) sind wirklich schön:




Das sind Bilder aus dem privaten Bereich des Sultans, bei den Frauen gibt es natürlich einen Unterschied: 


alle Fenster vergittert, bis in den obersten Stock (Bei den Eunuchen allerdings auch)


Ich bin ja großer Fan dieser Fliesen ... 



Eigentlich hätte ich mir da gerne mehr angesehen, aber mein Aufnahmekapazitäten waren einfach nicht mehr vorhanden und wir sind dann einfach nur noch schnell durchgelaufen (es gibt noch Pfeifenräume, tolle Bäder, Toiletten, Aufenthaltsräume, Schlafkammern usw.)



Das war ein "privater" Empfangsraum des Sultans


der sogenannte Früchte-Raum


und jetzt aber raus!

Der letzte Punkt auf der Liste bzw. Eintrittskarte war ja die Hagia Irene. Sie wurde von Konstantin I. als erste Kirche Konstantinopels erbaut, war quasi die Vorgängerin der Hagia Sofia, brannte bei Nika-Aufstand im 6. Jahrhundert ab und wurde dann von Justinian wieder aufgebaut, in einem Erdbeben wieder zerstört und der heutige Bau stammt aus den 740er Jahren. Sie wurde nie in einem Moschee umgewandelt, sondern als Waffenlager genutzt. Leider, leider - und das stand nirgends und wird einem auch nirgends mitgeteilt - man kann sie eigentlich nicht besichtigen. Sie wird renoviert und ist im Inneren fast komplett eingerüstet und abgehangen: 



*yoar*


(Danke auch ...)

Wir man also vielleicht unterschwellig *hust* erkennen konnte ... Topkapi-Palast ist so mittel. Es gibt unglaublich viel zu sehen, auch wirklich tolle Sachen, aber es ist zu viel, zu teuer und man fühlt sich bisweilen etwas verarscht - aber, will man in Istanbul gewesen sein und NICHT im Topkapi-Palast ?! - vermutlich auch nicht ... 

Tertia hat die Nase voll, sie will ohne uns nach Hause, wir überreden sie dann aber doch noch eine Runde Schiff zu fahren. Wir fahren mit einer der Fähren nach Bebek, den Bosporus hoch:





Auf jeden (!)  Hügel weht eine SEHR große türkische Fahne


Brücke über den Bosporus 


große Transportschiffe ein Richtung Schwarzes Meer

In Bebek laufen wir nur einmal die Promenade hoch und runter, bewundern ein paar Schiffe, die man sich privat für Touren auf dem Bosporus mieten könnte und fahren dann mit dem nächsten oder übernächsten Schiff wieder zurück. 



wie immer: Viel los auf dem Wasser!

Wir nehmen eine Fähre, die uns quasi vor der Haustüre absetzt, beschließen, dass wir uns jetzt ein unkompliziertes (d.h. vorm Haus quasi) Essen verdient haben, auch wenn es vielleicht etwas teurer ist und gehen in dieses hübsche Lokal - das Essen ist wieder okay, aber insgesamt fand ich das Essen überall okay, mehr aber auch nicht (bis auf das eine mal "echtes" Streetfood und dann noch mal bei Troja). Vielleicht braucht man mehr Geld, um wirklich gutes Essen zu bekommen, aber so ... 


lustiges Restaurant, man sass quasi in der Küche, wir waren auch die einzigen, weil es schon spät war, die Türken scheinen eher früh zu Essen, nicht italienisch oder spanisch spät. 


Und zum letzten Mal der wirklich tolle Blick über das Goldene Horn am Abend.


Morgenfrüh geht es mit dem Bus nach Çanakkale!