So, hier kommt also der - fast - alljährliche ausführliche Urlaubs- oder besser Exkursionsbericht, dieses Mal aus der Türkei, dieses Mal waren miomarito, Tertia und ich zusammen unterwegs, und wie jedes Mal gibt es SEHR viele Fotos, vermutlich die selben wie auf Instagram, aber jetzt noch mit Information. Ich hoffe, es wird gerne gelesen, wenn nicht, dann macht das auch nichts, weil ich das auch einfach für uns mache, als ausführliches Fotoalbum sozusagen.
Wir waren ja ziemlich aufgeregt gewesen, das erste Mal Fliegen für Tertia, das erste Mal Fliegen für uns Große nach langer, langer Zeit und am Ende war es natürlich "easy-peasy". Wir fuhren mit Bus und Bus nach Stuttgart an den Flughafen, der ja auch eher so ein Anfänger-Flughafen ist, weil er sehr klein und übersichtlich ist. Allerdings standen wir dann doch gefühlt ewig bei der Passkontrolle, da ging gar nichts mehr und so starteten wir dann auch mit etlicher Verspätung (also quasi wie Zugfahren ...).
Wir kamen dann deutlich später als geplant in Istanbul an, ich muss gestehen, dass meine Erinnerung an den weiteren Abend/die Nacht etwas wirr ist, jedenfalls wollten wir keine 40€ für ein Taxi bezahlen sondern mit dem ÖPNV zu unserer Unterkunft fahren. Das wurde dann recht spannend, weil die Istanbuler Metro nur bis Mitternacht fährt, wir Probleme mit dem Erwerb der sogenannten Istanbulkart hatten - eigentlich kann man notfalls auch Metro und Bus gegen einen gewissen Aufpreis direkt mit der Kreditkarte bezahlen, aber NATÜRLICH nicht die Metro vom Flughafen - also mussten wir unter viel Zeitdruck an Automaten, die nur teilweise andere Sprachen als Türkisch können, schnell, schnell diese Karte erwerben und "beladen" - geht ebenfalls - manchmal - mit Kreditkarten, sicherer mit Bargeld, aber das hatten wir nicht, weil die Wechselkurse am Flughafen die Katastrophe sind bzw. sein sollen.
Am Ende hatten wir eine aufgeladene Karte und noch 5 min, um zum Gleis zu sprinten und wir schaffte es tatsächlich in die letzte Metro vom Flughafen weg zu springen. Danach ging es irgendwie weiter mit der Tram, wo wir mit unserer Karte nicht durch das Drehkreuz kamen und uns hilfsbereite Türken die Fahrt spendieren - und dann noch mal eine gute halbe Stunde zu Fuß mit dem ganzen Gepäck quer durch die Stadt - naja, durch ein Viertel oder so, die Stadt ist ja riesig. Ich war sehr müde und miomarito übernahm die Führung, während Tertia mit ihrer Lieblings-Urlaubsbeschäftigung begann, dem Katzenstreicheln.
Obwohl es schon weit nach Mitternacht war, waren zumindest bei uns im Viertel noch ein paar Geschäfte geöffnet und wir vermuteten, dass das Opferfest nicht dafür sorgt, dass wirklich alles zu ist (oder vielleicht eben tagsüber und nachts nicht?!) Egal, wir kamen um halb 2 (!) bei unserer Unterkunft an, fühlten uns aber sehr cool und fielen, nachdem wir uns in den 4. Stock geschleppt hatten, Fotos von unserer Dachterrasse und aus der Dusche raus (!) - Foto kommt später - gemacht hatten, um ins Bett.
Blick aufs Goldene Horn bei Nacht
Am nächsten Morgen dann wunderschönes Wetter, wir haben alle gut geschlafen, obwohl wir zu dritt nur ein Zimmer haben, es gibt Nescafe-Pulver-Kaffee oder Çay zum Frühstück, unsere "Küche" ist für mehr zu klein, und dann heißt es erst einmal Aussicht genießen.
Das große Backstein-Gebäude im Hintergrund ist übrigens das sogenannte Griechische Gymnasium (Gymnasium auf Türkisch übrigens: Lisesi - man kommt beim Übersetzen mit Französisch teilweise recht weit)
Unsere Unterkunft ist im Viertel Fener, das ist ein zum Teil ein sehr hippes Viertel mit vielen kleinen Geschäften, Cafés und Restaurants im Stadtteil Fatih. Allerdings sind viele Häuser auch noch (?) in desolatem Zustand (s. Foto), nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen im Jahr 1453 zogen viele Griechen hier her, heute kommen viele Familien aus Anatolien in das Viertel, aber eben eine Ecke weiter als das hippe Viertel.
Wir ziehen dann auch gleich los, Tertia und ich haben unser Moscheen-Set dabei, Socken, ein Tuch zum Verschleiern und Tertia noch einen längeren Rock, der bis über die Knie geht, das ist nämlich - angeblich - die Vorschrift für Moscheen-Besuche.
Bevor wir groß etwas unternehmen können, brauchen wir Bargeld und wir habe uns informiert und am besten sucht man sich eben einen ganz normale Türkische Bankautomaten. Die können aber oft nur türkisch oder etwas, was sie für Englisch halten, uns aber nur verwirrt. Also brauchen wir ewig, um Bargeld abzuheben - am Ende klappt es dann aber und wir wissen nun, dass Lütfen bekleyin Bitte Warten! bedeutet (und nicht: Bitte entfernen Sie ihre Karte ... şifrenizi erkenne ich leider erst Tage später als Chiffre! bzw. Teil der Aufforderung, seine PIN einzugeben)
Gott sei Dank sind immer mehrere Geldautomaten neben einander
wir ziehen am Ende mit vielen 200Lira-Scheinen weiter (200 Lira sind nicht ganz 4 €)
Hier könnte man jetzt verzückt Hach! Wie anders! Wie exotisch! Hühner mitten auf der Straße! rufen, aber ich kann Ihnen nur erzählen, dass ich hier in Tübingen bereits mehrmals beinah ein Huhn überfahren hätte - oder im hohem Bogen vom Rad geflogen wäre - weil plötzlich ein Huhn aus einer Hecke kam und über Straße lief (und zwar NICHT bei uns im Dorf)
Aber jetzt frühstücken wir erst einmal
Börek und türkischer Kaffee
(man hätte auch bei uns im Vierteln echtes türkisches Frühstück bestellen können, aber die Preise in Istanbul für Essen sind nicht so viel anders als in Deutschland und das können wir uns nicht 2-3x am Tag leisten)
Wie in Italien schnell eine Caffè trinken geht hier definitiv nicht, beim türkischen Kaffee muss sich ja erst das Pulver in der Tasse setzten - man bereut ein zu frühes Trinken sofort - und Çay brauch ewig, um eine Trinktemperatur zu erreichen.
Aber egal, es müssen eh viele Katzen gestreichelt werden
(Die Katzen sind unsere Rettung, weil Tertia sofort glücklich und zufrieden ist, wenn es Katzen zum Streicheln gibt - und es gibt viele. Sie wollte es schaffen, im Urlaub 100 Katzen zu streicheln, am zweiten Tag hat sie bei 70 aufgehört zu zählen)
Als weiteren Proviant kauft miomarito kleine Bananen und Tertia ist ganz begeistert von Can Erik, grünen, unreifen, Kirschpflaumen, die wohl eine türkische Frühstücksspezialität sind, die es nur ein paar Wochen im Jahr gibt und die man mit Salz isst.
Wir laufen weiter quer durch die Stadt, die überraschend hügelig (wusste ich nicht) und sehr groß ist
eine erste Sehenswürdigkeit: Das Valens-Aquädukt (römisch, 4. Jahrhundert n. Chr.)
wir laufen aber nur daran vorbei, wir wollen unsere erste Moschee besichtigen
die traditionellen Holz-Häuser finden sich noch überraschend oft
So, unsere erste Mosche:
Die Süleymaniye Camii (Camii bedeutet - große - Moschee), die als eines der wichtigen Werke Sinan gilt. Sinan ist so etwas der osmanische Meister-Architekt des 16. Jahrhunderts und hat unglaublich viele Moscheen, aber auch andere Bauwerke erschaffen - so viele, dass wir beschlossen haben, dass das wohl eher Sinan & Partners gewesen sein muss. Die Drinabrücke in Višegrad (Die Brücke über die Drina - sensationelles Buch von Ivo Andrić) zum Beispiel auch.
ich stelle im Laufe der Woche fest, dass ich kein großer Sinan-Fan bin, mir sind die Gebäude alle zu ... steril ... oder .. ich weiß es nicht genau, jedenfalls nicht meins (ich mag von der islamischen Architektur her wohl eher die früheren, südspanischen Sachen).
Neben der Mosche steht das Grabmahl (Türbe) Sultan Süleyman I., des Prächtigen (der bedeutendste osmanische Herrscher), wo dieser mit seine Lieblingsfrau und weiteren Familienmitgliedern begraben ist. Es gibt recht viele Türbe, in die man einfach reingehen kann (nur mit Kopftuch natürlich)
Wir ziehen weiter, viele Geschäfte sind wegen des Opferfests geschlossen
Die Straßen sind aber selten so leer wie diese, gefühlt haben alle 15 Millionen Einwohner Istanbuls frei, die ganze Woche, wegen des Opferfest, außerdem scheint viel anatolische Verwandtschaft zu Besuch zu sein und dann gibt es auch noch Touristen. Nicht so viele und bunt gemischt, von Japan, über vermutlich irgendwelche -istane und Russland (sehr viele Russen sind da, denn Istanbul ist eine der wenigen europäischen Städte, in die sie noch reisen dürfen) und ein paar Italiener und Spanier, wenige Amerikaner und ein paar Deutsche. Der große Bazar und die Geschäfte drumherum sind aber auf Grund der Feiertage geschlossen.
Eigentlich wollen wir nur ins ganz touristische Zentrum, um zu sehen, wie das mit den Tickets und den Schlangen ist. Als erstes trifft uns der Schlag, denn wir wollten am nächsten Morgen in die Yerebatan-Zisterne, die Schlange bei den Tickets ist ewig lang und dann noch einmal beim Eingang zur Zisterne. Miomarito versucht herauszubekommen, ob man sich auch mit Online-Tickets in die ewig lange Schlange stellen muss und bekommt dies nach einigem hin und her bestätigt. Wir streichen die eh sauteure Zisterne (über 50€ pro Person!!!) von unserem Plan und beschliessen uns mal über die anderen römischen Zisternen in Istanbul zu informieren.
Dann ziehen wir weiter zur Hagia Sofia - und da ist niemand. Nicht am Ticketstand und auch nicht am Eingang. Ein Anbieter von Bustouren vor der Hagia Sofia rät uns nur Tickets für den Balkon zu kaufen, alles andere sei Quatsch (irgendwie auf Englisch), am Ticketschalter wird uns dann erklärt, dass wir auf jeden Fall noch das Museum (weitere 25€ pro Person, ermäßigten Eintritt gibt es übrigens nirgends, ich bin zwischendurch recht froh, dass das mit wir fahren so zu fünft hin nicht geklappt hat .. sorry) dazu buchen sollen, außerdem würde man vom Balkon eh nicht viel sehen, weil die Hagia Sofia (die nächsten 10 Jahre) renoviert bzw. erdbebensicher gemacht werden soll. Also zahlen wir über 50€ pro Person. Und dürfen in der Moschee eh nur auf den Balkon ... der Raum unten ist für die Gläubigen reserviert, da kommt man als Tourist*in nicht mehr hin. Und mein Kleid ist zu kurz, ebenso Tertias mitgebrachter Rock, plötzlich sind auf den Schilder nämlich knöchellange Kleider abgebildet und von kniebedeckend ist keine Rede mehr. Also müssen Tertia und ich uns "einen Sack" kaufen und den über unsere Kleider ziehen - ich bin leicht genervt. Immerhin tröstet mich die Tatsache, dass amerikanische Männer auch Sack tragen müssen, weil - natürlich - viel zu kurze Shorts.
Einen wirklich guten Eindruck von der Hagia Sofia bekommt man eigentlich nicht, man darf eben oben einmal rumlaufen
man darf sich nirgends hinsetzten und wird die ganze Zeit streng beobachtet
auf der anderen Seite will man ja nicht in Istanbul und NICHT in der Hagia Sofia gewesen sein
miomarito war damals noch im" Museum", sprich damals war die Hagia Sofia noch nicht wieder eine Moschee. Mir war fürchterlich heiß in meinem "Sack", ich war genervt und wütend wegen der Touristen-Abzocke, aber Einatmen - Ausatmen
römische/byzantinische Mamortüren
Reste der christlichen Mosaike
Die Rettung war übrigens wieder Mal eine Katze, die völlig unbeeindruckt von den Wachleuten, Gläubigen- und Touristenströmen einfach durch die Hagia Sofia marschierte und dann mit uns runter, auf dem Geländer balancierend zum Ausgang lief
Miomarito und ich beschlossen dann noch in das Museum zu gehen, für das wir ja auch bezahlt hatten, während Tertia verkündete, sie setze da keinen Fuß hinein, würde vorm Museum Katzen streicheln und auf uns warten. Wir gingen rein und bereuten es dann ganz schnell, denn man wird in festen Gruppen und mit Kopfhören durch das Museum geleitet und schaut sich ein "ein umfassendes audiovisuelles Erlebnis" an ... sprich 1700 Jahre im Schnelldurchlauf und am Ende ist die Hagia Sofia endlich wieder (...) eine Moschee. Danach gibt es immerhin noch ein paar wenige Ausstellungsstücke und man muss sagen, die audiovisuelle Tour ist schon richtig gut gemacht, aber ... nicht das, was wir jetzt wollten. Miomarito hat es dann unter Arbeitsbesuch abgespeichert.
Wir laufen weiter durch Istanbul und kommen zur kleinen Hagia Sofia, die ebenfalls eine frühe byzantinische Kirche war und heute Moschee, allerdings durchgehend seit der Eroberung. Da es kein Aufsichtspersonal gibt und die Frau auf dem Schild auch eindeutig ein etwas länger als knielanges Kleid anhat, verzichte ich auf meinen Sack und es regt sich auch niemand auf. Die kleine Hagia Sofia gefällt mir bisher von den Moscheen am besten:
wir laufen weiter bis ans "Meer"
Da die Türkei keine Sommerzeit mehr hat, wird es recht früh dunkel (halb 9 ist Sonnenuntergang) und überraschenderweise auch schnell frisch.
Wir sind immer noch mitten im Touribereich und müssen jetzt aber schnell was zu Abend essen, finden nach einigem hin und her ein Restaurant, das einigermaßen bezahlbar ist. Die anderen sind alle ziemlich teuer und vor allem komme ich (wir) nicht damit klar, dass man ständig zugelabert wird, während man nur mal schauen möchte, was für Essen angeboten wird und was der Spaß kosten soll. Wir setzen uns, bestellen etwas, der Typ schlägt uns eine super tolle Platte mit etwas von allem vor, die sei für 2 Personen, aber wir könnten die auch zu dritt essen. Wir Erwachsenen sind müde und erschöpf und sagen einfach ja, Tertia hingegen ist belastbarer und meint - kaum dass der Typ weg ist - da habt ihr euch gerade übers Ohr hauen lassen, das ist viel teurer als unsere eigentlich ausgesuchten Sachen zusammen. Und weil wir von der ganzen Abzockerei usw. über den Tag so genervt sind, proben wir bzw. miomarito den Aufstand als man uns erklären will, dass wir das aber bestellt hätten und man das 60 Sekunden später nicht mehr stornieren könnte. Komplett gelogen. Am Ende bekommen wir das, was wir zuerst wollten und beschließen, am nächsten Tag nicht wieder ins Haupt-Touristen-Zentrum zu gehen. Es reicht uns erst mal.
(Rüstem-Pascha-Moschee bei Nacht)
wir fahren wie viele weitere Abende von Eminönü mit der Tram nach Hause
und fallen um ins Bett.




































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