domenica 10 maggio 2026

Kulturnacht

Ich bin ja immer noch ganz fasziniert davon, dass ich a) nicht ständig am Limit bin und b) am Wochenende frei habe - dafür muss jetzt miomarito regelmäßig am Wochenende ran, aber was will man machen. Egal, jedenfalls hatte ich gestern Zeit, um die Tübinger Kulturnacht zu erkunden. Da war ich noch nie gewesen, das Programm klang ganz nett und war wild gemischt. Das ganze wird von einem Tübinger Verein organisiert und die teilnehmenden Kulturschaffenden/Künstler*innen sind zum einen alle von hier und zum anderen ... sagen wir mal so ... haben sehr unterschiedliches Niveau. Miomarito konnte ja nicht mitkommen, weil er selbst Kultur im Alten Dom in Mainz betreuen musste, ich bin da ja recht indifferent (also ja, ich gehe natürlich gerne mit miomarito aus, aber deshalb bleibe ich nicht zu Hause wenn niemand mitgeht) und mache so was dann einfach alleine. Dieses Mal kam aber eine Freundin aus dem Nachbardorf mit und ich glaube, das war seit dem wir uns kennen (fast 15 Jahre) das erste Mal, dass wir zwei was alleine zusammen gemacht haben (weil sonst, Männer, Kinder, andere Leute). 

Die Kulturnacht funktioniert so, dass man sich einen Bändle für 15 € kauft (es erinnerte etwas an vor 5 Jahren, als man sich erst testen lassen musste, um ein Bändchen zu bekommen und dann "in" die Außengastronomie durfte ... es waren wirklich die gleichen Zelte) und dann kann man sich alles aus dem wirklich umfangreichen Programm ansehen. Man muss sich aber kein Bändchen kaufen, weil man sich eigentlich auch viele Sachen einfach so anhören und ansehen kann, aber 15€ fand ich jetzt einen wirklich fairen Preis. 


Ich war schon etwas früher in der Stadt als meine Freundin, Tertia war ebenfalls schon losgezogen, weil eine ihrer besten Freundinnen selbst tanzenderweise auftrat und sie ihr zuschauen wollte. Und so sass ich am sich immer noch neu anfühlenden Anlagensee (also den See gibt es schon ewig, aber alles drum herum wurde ja in den letzten Jahren neu gemacht) und hörte dem Studentischen Salonorchester Tübingen zu. Ich bin jetzt kein große Fan von Salonmusik, aber ich hatte mir fest vorgenommen, mir heute bzw. gestern auch mal andere Sachen anzuhören/anzusehen. Nebenher kümmerte ich mich noch um ein kleines, eventuell syrisches Mädchen, das seine Mutter in dem Getümmel verloren hatte und völlig hilflos am Weinen war (drumherum ca. 100 Leute, auch Eltern mit Kindern und keiner zuckte auch nur irgendwie WTF?), wir fanden dann ihre Mutter, die mit dem älteren Bruder wohl schnell auf die Toilette gegangen war. Später haute das Mädchen aber selbst noch einmal ab und dieses Mal war ein angetrunkener Russe (denke ich) so nett und da ich ja die Mutter schon kannte lotste ich die beiden dann zur Mutter - gute Werke für die Woche getan).

Meine Freundin und ich kauften uns das brav unsere Bändchen, schlenderten durch die Altstadt, hörten hier und da mal rein, beschlossen dann aber erst einmal Falaffel auf die Hand zu essen. Das Programm verteilte sich nicht nur auf die Altstadt, so dass die Distanzen teilweise etwas groß waren und man schon eher einen Plan braucht, wir gingen aber zuerst einmal zum Hölderlinturm (samt Museum), wo es Musik und diverse Licht-Installationen gab und wo wir beide peinlicherweise noch nie gewesen waren ... Hölderlin lebte "in diesem Turm" 36 Jahre, bis an sein Lebensende - nachdem er für verrückt erklärt worden war. Allerdings ist das eigentlich Gebäude bzw. der eigentlich Turm 1874 komplett abgebrannt und wurde dann wieder aufgebaut ... also nix authentisch Hölderlin. 


lustiges Gemälde des "Hölderlinturms" der halt schon sehr zu Tübingen gehört
aber natürlich am friedliche dahinfließenden Neckar liegt
(hier zu sehen, ganz hinten, klassisches Tübingen Motiv, die Neckarfront mit Hölderlinturm)



Miomarito war schon mal dort gewesen, u.a. auch um sich die Heizungsrohre (!) anzuschauen, weil die wie bei uns in Kupfer auf Putz gelegt wurden. Fand er gut und so haben wir das dann eben auch gemacht. Allerdings sehe ich im Moment, dass die Halterungen viel hübscher als bei uns sind ... *grummel*

Danach ging es auf Wunsch meiner Freundin in die Stiftskirche, zu einem jungen wirklich guten - so weit ich das beurteilen konnte - Pianisten, bei dem man vorher Musikwünsche abgeben konnte und aus denen er Klavier-Improvisationen machte. Das war wirklich toll, hat mich aber auch komplett kirre gemacht, weil man immer dachte, ah, Moment, das kenne ich doch ... Moment ... das ist doch ... und dann war er schon beim nächsten improvisierten Teil. Was wir auch nicht wusste, das ganze war Teil eines Gottesdienst und wir beteten dann zwischen den Stücken auf noch eine Runde mit. 


Danach ging es schnell, schnell (eventuell sind die Standorte der verschiedenen "Bühnen" etwas weit auseinander) zum LTT (dem Landestheater), wie ich mir dort unbedingt Flamenco ansehen wollte. Auf dem Weg dahin erzählte ich meiner Freundin, dass ich als Kind/Jugendliche immer Flamencotänzerin werden wollte (völlig außer Acht lassend, dass ich keine Takt oder Rhythmus halten kann) und mir dämmerte während dessen dann auch, dass das vermutlich eher schwäbischer Flamenco sein würde. War's auch, die Damen LÄCHELTEN alle (rückblickend glaube ich, dass ich das früher auch deshalb so toll fand, weil die Frauen alle so grimmig schauen, als sollte man sie besser nicht ansprechend, so gar nicht und schon gar nicht, lächle doch mal!) Also eher schwäbisch, das ist wohl eine Tübinger Tanzschule, und man muss es in einer internationalen Stadt schon schaffen, dass da wohl keine einzige Spanierin dabei war. Aber: das waren Frauen aller Altersklassen, aller Körperformen, die sich wirklich reinhängen und es war - wenn auch no especialmente auténtico - mal wieder schön, Flamenco zu sehen und zu hören. Muss ich dran bleiben. 

Meine Freundin machte sich dann auf dem Heimweg, ich hingegen hatte mir noch vorgenommen, zu einem Ska-Konzert auf dem Marktplatz zu gehen. das war auch sehr nett, eine mir bisher unbekannte Tübinger Band, super gemisches Publikum - das war eh toll, weil (wie gesagt, Tertia war ja auch da unterwegs) alle Altersklassen waren überall vertreten, Leute deutlich älter als ich tanzen beim Ska-Konzert und Generation-Z-Leute "schlurften" in die Kirche, um sich dann doch den Pianisten für 10 min anzuhören. 



Es hätte noch viele Sachen gegeben, die ich mir angeschaut hätte, wenn ich mehr Zeit gehabt hätte (zum Beispiel die Freundin einer Freundin, die Hildegart Knef interpretiert, oder - leider viel zu spät - ein nachmitternächtliche Stadtführung durch die Altstadt und deren Geheimnisse und viele weitere Konzerte), aber das Programm war sehr umfangreich und ich musste auch heute morgen früh aufstehen, um hier die Konfirmanden zu fotografieren. 


Tertia ist im Lernstress, deshalb gab's heute Kuchen (also die backt den dann als "Pause")

So, und heute Nacht kommt dann auch miomarito wieder zurück, heute musste er noch eine Ausstellung im alten Dom eröffnen, mein Eltern waren auch da, mein Bruder war am Wochenende eigentlich auch in Mainz, nur hatte miomarito den Samstag genutzt, um nach Köln zu fahren, und sich möglich viele der von mir herausgesuchten Kirchen (mit vorromanischen oder römischen Teilen) anzuschauen (vor 15:30 Uhr, weil das war dann ja wichtiges Fußball-Spiel). Ja, und jetzt werde ich früh ins Bett gehen, die letzte Nacht war ja eher kurz, morgen muss ich viele Konfirmanden-Fotos bearbeiten und die Agenturbilder gibt es ja auch noch. Und viel Regen ... und Kälte ... *grummel*

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