domenica 1 luglio 2018

Protest

So, ilfiglio und ich sind wohlbehalten von unserem Protest-Ausflug nach Augsburg zurück, trotz einiger Hänger würde ich die ganze Aktion als sehr gelungen bezeichnen.

Wir sind am Freitagnachmittag mit dem Zug nach Augsburg gefahren (ohne großartige Verspätung, ohne großartige Probleme beim Umsteigen - und das am Freitagnachmittag, das muss man ja auch mal lobend erwähnen), schlossen unsere Rucksäcke am Bahnhof ein und wollten dann zu der für 18 Uhr angekündigten ersten Protestaktion auf dem Rathausplatz gehen - wo aber nicht wirklich etwas los war.


Rathausplatz am frühen Abend

Also beschlossen wir, erst einmal zur Stärkung in den (Tertia) wunder-, wunderschönen Biergarten zu gehen. Dort hätten wir auch Fußball schauen können (so mein eigentlicher Plan), aber es gab ja am Freitag gar keine Spiele, also nur Essen und Trinken.


Danach ging es wieder zurück auf den Rathausplatz, wo inzwischen etwas mehr los war, aber hauptsächlich Flyer und Aufkleber ausgeteilt wurden 


und man Transparente (und Jute-Taschen ...) bemalen konnte. Ilfiglio war mit Abstand der Jüngste, ich vermutlich die Älteste ... nicht so ganz  das Zielpublikum - außerdem sind wir ja jetzt nicht so die Jute-Taschen-Bemaler.


Wir hingen also noch etwas herum, liefen wieder zum Bahnhof, holten unser Gepäck, hingen noch mal etwas vorm Rathaus herum, beschlossen dann, eine Runde durch die Stadt zu drehen und machten uns dann gegen halb 11 auf den Weg zu miomaritos Wohnung. 

Am nächsten Morgen mussten wir früh raus, ilfiglio (Anfängerfehler) wollte unbedingt pünktlich um 9 Uhr beim Treffpunkt zwischen Uni und Messe (dort war der Parteitag) sein, ich versuchte ihm noch zu erklären, dass Pünktlichkeit und eine hoher Organisationsgrad bei so einer Veranstaltung eher nicht zu erwarten sei. Aber egal, um kurz nach 8 Uhr verliessen wir die Wohnung, dummerweise MIT unseren Rucksäcken (was wir noch bereuen sollten, aber wir wollten später nicht noch mal zurück zu miomaritos Wohnung laufen), kauften uns Wasser, ich mir einen Kaffee und etwas zu Essen (alles viel zu wenig, uns war nicht klar, wie lange das alles dauern würde und wie weit draußen das erst mal alles sein würde). Auf dem Weg zur Kundgebung mussten wir dann feststellen, dass die Polizei tatsächlich alles rund um Messe und Parteitag abgeriegelt hatte und kein direktes Durchkommen war.

Wir trafen bei unsere Suche nach einem Durchlass auch noch einen netteren älteren Amerikaner, der eigentlich nur auf seine Parkbank an der Messe wollte, sich dann aber uns anschloss und sich lange mit uns über Politik unterhielt. In dem Moment, in dem wir dann tatsächlich vor Ort ankamen, gab's dann auch gleich etwas Aufregung und uns rannten beinahe ein ganzer Trupp Polizei in voller Montur über den Haufen (das muss die versuchte Blockade der Zufahrt zum Parteitag gewesen sein bzw. deren Auflösung). Dann aber folgte langes Warten ... in der Knallsonne, bei an die 30°C. Das und die Tatsache, dass niemand wusste, was jetzt eigentlich passieren sollte (oder zumindest die, die das hätten wissen müssen/können, nichts darüber verlauten liessen), halfen nicht gerade. Ich wurde ehrlich gesagt schon ganz kribbelig, weil .. verdammt noch mal ... kann man das nicht gescheit organisieren, wieso gibt es keinen Plan, keine Ansage usw. als dann auch noch fleißig getrommelt und getanzt wurde, wusste ich auch wieder, warum ich schon so lange bei keiner Veranstaltungen dieser Art mehr war ... Aber irgendwie ging es dann doch los, es gab die üblichen (auch von mir nicht vermissten) Ansprachen a la Halloooo! Ich bin die Sophie und find' es ganz toll, dass hier heute alle gekommen seid ... und dann aber auch ein sehr schöner Teil von Augsburger - klassischen - Musikern und Sängern, die sich gemeinsam gegen Rassismus aussprachen, der Cellist eine sehr gute, klare Rede gehalten hat, ebenso die Sopranistin und dann gemeinsam von alle Freude schöner Gotterfunken gesungen wurde - womit dann das breite Spektrum  der Protestbewegung bewiesen worden war ;-)

Dann kamen weitere Reden eher ambitionierter Art (sprich lang, schlecht und langweilig), Gott sei Dank ging dann die Anlage irgendwie kaputt und es ging nach zwei Stunden endlich los mit der Demo.


Inzwischen war es unglaublich heiss, ilfiglio verträgt Hitze und Sonne ja nur bedingt, aber was tut man nicht alles im Kampf gegen Rechts - Aufgeben gibt es nicht.

Während der Demo habe ich keine Fotos gemacht, die gibt es im Netz zuhauf. Ilfiglio und ich haben beschlossen, dass wir mit dem harten Kern laufen, deshalb sind wir auch auf keinem der "bunten" Fotos zu sehen (die waren ja alle eher schwarz). Zuerst waren wir nur ein paar hundert Leute, aber es kamen immer mehr dazu und am Ende waren es wohl 5000 Menschen - plus dann noch mal ein paar Hundert von der Gewerkschaftsdemo plus noch mal ein paar Hundert, die in der Stadt am Rathausplatz gewartet hatten. Das war schon sehr beeindruckend. 

Weitere Eindrücke: Ha, die "Schlachtrufe" sind ja auf Italienisch (Siamo tutti antifacisti und Alerta! Alerta! Antifacista!), das war früher (also vor über 20 Jahren ... dazwischen war ich noch auf Studenten-Studienreform-Demos, aber die waren eh anders) definitiv nicht so, wir haben verpasst, dass die Feuerwehr Wasser ausgeteilt hat (vermutlich waren wir da halt sozusagen wieder an der falschen Stelle des Zuges), die in den Sprechchören geforderter Solidarität wurde dann aber im Kleinen so umgesetzt, dass immer wieder Leute Wasserflaschen kaufen gingen und wir die dann untereinander (aus)teilten, so dass auch niemand in der Hitze kollabierte. Und ich kann trotz meines Alters (man könnte ja älter UND gesetzter oder so geworden sein) NIX mit diesem Habt Euch alle lieb und wir tanzen jetzt mit lustigem Getrommel für Solidarität anfangen (das wird sicher ganz, ganz toll gegen toll im Kampf gegen Rechts helfen ... so was von). 

Wir haben uns dann vorm Rathaus nach der tatsächlich sehr guten Rede von Claudia Roth (null Betroffenheitsrhetorik sondern sehr klare Kante und keinen Schrittbreit) ausgeklinkt, weil wir nach sechs Stunden erst mal dringend was zu Essen und zwar im Sitzen brauchten bzw. auch unsere Rucksäcke endlich loswerden wollten. Danach ging's weiter, zum Königsplatz, wo sich für 16 Uhr Pegida angekündigt hatte. Das war dann eher seltsam bis lustig, weil die extra aus München angereisten Pediga-Leute unter hohem Polizeischutz einfach nichts gemacht haben, als in auf ihren Plastikstühlen zu sitzen und die Menge hin und wieder mit Propagandaliedern und Reden zu beschallen. Da viele der restlichen Demonstranten nicht mehr so wirklich nüchtern waren, wurde es denn aber eigentlich ganz witzig, weil hauptsächlich so Sachen wie "Ihr könnt nach Hause fahrn!" und "Ihr sei nur ein Karnevalsverein" gesungen wurden - so das selbst die Polizisten lachen mussten und das Ganze ein sehr schöner Ausklang für so einen ja doch gelungenen Protesttag war.


Um 19 Uhr ging es dann mit dem Zug für uns wieder heim. Schön war's, ich hoffe, es hat auch irgendwie etwas gebracht, Augsburg ist jedenfalls bunt und ilfiglio und ich waren dabei.

2 commenti:

Anonimo ha detto...

oh ha. Hut ab dass ihr das durchgezogen habt, mit allen Begleitumständen. Gruß an den engagierten Sohn.
Julia

IO ha detto...

Mach ich!