lunedì 30 luglio 2018

Kinderverschickung

Gestern meinte ich noch zu miomarito, dass ich mir das eigentlich genau so mit dem Familienleben vorgestellt hätte, Tertia sprang den ganzen Tag durchs Dorf, Silencia war mit Freundinnen in Kino und Freibad und packte freudig ihre Sachen für Italien, ilfiglio war noch am Bodensee und kam erst gegen Abend müde und erschöpft wieder zurück. Ein großes Hin und Her und wir reichten quasi Getränke, Essen und eventuell angefragt Ratschläge. Heute denke ich mir ... verdammt anstrengend das Ganze. Aber der Reihe nach.

Ilfiglio beglückte uns schon gestern mit der frohen Botschaft per Email, dass sein Handy ein Bad im Bodensee genommen habe und er jetzt dringend meine Telefonnummer bräuchte, um mir mitzuteilen, wann ich ihn bei seiner Rückkehr vom Segeln in der Nachbarstadt abholen solle. Hmpf. Trotz beantworteter Email und geschickter Nummer kam die Info aber wohl nie an, so dass ilfiglio sich alleine per Bus und Bahn (und großem Rucksack) nach Hause durchschlagen musste - kann er ja aber. Aber, das Handy ist hin, was sehr ärgerlich ist ... a) Geld und b) Zeitpunkt, die ganze Fahrerei zu meinen Eltern und dann zurück nach Tübingen und dann nach Kroatien und wieder zurück und wir die ganze Zeit nicht da und überhaupt. Klar ging das früher auch irgendwie, aber da hätte ich das mit 13 Jahren vermutlich auch alle nicht ganz alleine machen dürfen, oder es wäre eben wesentlich komplizierter gewesen ... noch haben wir eine Woche, um eine Lösung zu finden.

Dann Erwachsenenverschickung am Morgen (als ich noch schlief), miomarito machte sich heute erstmalig mit dem Bus auf den Weg nach Augsburg, der dann prompt kein WLan hatte (deshalb hatte ich den ja immer angepriesen) und dann auch noch mit ziemlicher Verspätung ankam, so dass miomarito erst recht spät im Büro aufschlagen konnte - also auch keine wirkliche Alternative.

Für Tertia und mich stand am Vormittag Ferienprogramm auf dem Plan. Tertia hatte sich ja eine Woche Dance-Camp herausgesucht, ich fand das eine wirklich tolle Idee, hatte aber keine Sekunde darauf verschwendet, nachzusehen, wo das dann statt findet. Mitten in der Stadt nämlich. Äußerst ungünstig gelesen, keine Parkmöglichkeiten, keine Haltemöglichkeit und sehr viel unübersichtlicher Verkehr - ich sah Tertia beim Warten auf die im Stau steckende Mutter schon unter dem ersten Auto landen. Als erste Maßnahme organisierte ich mir einen unserer in der Nähe an der Uni arbeitenden Freund zur Rufbereitschaft - falls ich es mal nicht pünktlich schaffen würde.
Heute morgen dann der Versuch mit dem Bus (Rad ist für Tertia zu weit und ebenfalls zu unübersichtlich und bei der Hitze ... nee), erste Erkenntnis, viele sonst fahrende Busse sind sogenannte Schulbusse (um 9:30 Uhr !?!?) und fahren in den Ferien nicht, also fuhren wir eigentlich viel zu früh los, hatten dafür dann allerdings massig Zeit, uns das Ganze vor Ort noch mal genau anzuschauen (sprich, wir brauchten erst einmal gute 5 min, um überhaupt die Eingangstür zu finden - zusammen mit weiteren leicht gestressten Eltern, die ihre Auto nämlich im absoluten Halteverbot usw.). Dann lieferte ich Tertia im Tanzstudio (im 4. Stock - Altbau ...) ab und machte mich auf den Weg in die Stadt, wo ich etliches zu erledigen hatte - und dann waren auch schon zwei der drei Stunden Tanzen herum und ich dachte mir, dann bleibe ich in der Stadt und sammle Tertia einfach wieder ein, ohne mir Sorgen machen zu müssen, ob der Bus auch wirklich kommt (gibt es auch immer wieder) oder wie man mit dem Auto durch kommt.



Neckar am Morgen


Noch etwas Schlendern durch die sogenannte Unterstadt


Ist ja doch schön hier
(Urlaubsgefühl danke müder Füße und italienischen Temperaturen)


nicht bedacht ... ich musste für mein Fahrrad einen Mantel kaufen ... 
und damit eine Stunde durch die Stadt latschen ...

So, also, glückliches Kind vom Tanzen abgeholt, besprochen, wo und wie ich sie morgen früh eventuell aus dem Auto "schmeissen" kann, mit dem Bus nach Hause gefahren, Silencia schon mal per Anruf daran erinnert, dass wir dann demnächst nach Stuttgart los müssen und dass sie bitte endlich ihren Krempel packt - hatte sie ja zum großen Teil schon gestern, aber eben den Rest und dass die Zeit etwas drängt.

Zu Hause angekommen verkündete dann Tertia, dass sie garantiert nicht mit nach Stuttgart fahren wolle, weil das total langweilig sei und überhaupt. Also fing sie an, ihre Freundinnen abzutelefonieren und wurde fündig, unsere Freunde aus dem Nachbardorf meinten, sie könne mit zum Stocherkahn fahren kommen (es folgte ein kleiner hysterischer Anfall, weil sie glaubte, dabei ertrinken zu müssen, weil die Freunde sicher erst mal ihre Kinder retten würden und dann erst sie usw. erneute Telefonkonferenz und dann ging's irgendwann). Tertia fuhr mit dem Rad ins Nachbardorf, Silencia und ich kontrollierten noch einmal die gepackten Sachen, druckten einen "Dieses-Kind-darf-alleine-reisen"-Wisch zum Ausfüllen und Unterschreiben aus (gut zu wissen, in Kroatien scheint das bisweilen problematischer zu sein, jetzt bekommt ilfiglio auch einen mit) und machten uns mit dem Auto auf nach Stuttgart an den Bahnhof.

Wieso mit dem Auto? Man ist mit dem Auto zum einen schneller in Stuttgart als mit dem Zug (die Verbindung Tübingen - Stuttgart ist ... unglaublich nervig) und zum anderen kostet das Hin-und-Herfahren relativ viel Geld (und eben Zeit) und alleine möchte ich Silencia noch nicht in Stuttgart umsteigen lassen, weil auf Grund der Stuttgart 21 Bauarbeiten dort eigentlich immer großes Chaos herrscht. Also mit dem Auto. 
Und Pufferzeit, die sonst immer dazu führt, dass alle mit den Augen rollen, weil wir wieder einmal viel zu früh am Bahnhof sind. Heute ist hingegen die B27 nach Stuttgart dicht (habe ich so auch noch nie erlebt, da ist zwar immer viel Verkehr, aber ernsthaftes Nichtdurchkommen hatte ich noch nie), nichts geht mehr, das Handy zeigt den Stau an, das Radio meldet nichts (Danke auch) und die Zeit verrinnt und verrinnt ... ich überlege verzweifelt, wann der nächste durchgehende Zug nach Augsburg fährt, was dann ein neues Ticket kostet und warum gerade jeder Personentransport ein Riesenproblem ist - bis mir die rettende Idee kommt und ich Silencia bitte, auf meinem Handy mal nachzusehen, ob der ICE in Stuttgart überhaupt pünktlich ankommt ... und voilà! der Zug hat bereits eine gute viertel Stunde Verspätung, die sich bis zu unserer Ankunft am Stuttgarter Hauptbahnhof (2 min nach der eigentlich Abfahrtszeit) auf eine halbe Stunde Verspätung ausgewachsen hat - auf die Bahn ist Verlass! ;-) Wir können noch in Ruhe ein Sandwich kaufen, die Wagen der 2. Klassen finden und uns Verabschieden. Im Endeffekt perfekt, aber etwas weniger Aufregung davor wäre nett gewesen. Nach guten - insgesamt - drei Stunden bin ich dann auch wieder zu Hause. 


(als Silencia dann abgefahren war, hatte JEDER Zug auf der Anzeigentafel Verspätung, bis zu 120 min ... aber  es ist ja auch heiss .. oder so)

[In Zukunft werde ich aber eh nicht mehr mit unserem Auto nach Stuttgart rein dürfen, also müssen wir uns dann was überlegen ... entweder wir trainieren auch mit Silencia das Umsteigen (ilfiglio macht das ja schon länger) oder aber ich fahr halt jedes Mal mit dem Zug mit hin ... mal schauen.]

Ansonsten kam Tertia glücklich nach Hause, kein Kind musste vor dem Ertrinken gerettet werden, morgen schauen wir dann mal, wie das mit dem "Rausschmeissen" zum Dance-Camp klappt und dann kann ich mir ja auch bald wieder Gedanken machen, wie wir ilfiglio durch die Gegend verschicken - und natürlich hoffen, dass das morgen bei Silencia alles super mit dem Zug nach Verona klappt.


Ach und heiß ist es hier auch

3 commenti:

julia ha detto...

Wow, das klingt alles nach jeder Menge Logistik.
Ich finde es toll, dass Eure Kinder so weit alleine reisen dürfen/wollen.
Hier ist bei allen Nachbarn schon das Freibad zu weit. Und das sind laut Google maps noch nicht mal 900 Meter.

Kinderverschickung haben wir hier auch, allerdings nur teilweise in ein Dörfchen in Frankreich, das nach den Aussagen meiner Tochter aussieht wie in "Chocolat"...

IO ha detto...

@julia: Das hört sich doch gut an :-) Das mit dem Freibad hatten wir hier teilweise auch, super nervig ... hier hilft es auch, dass die vier Kinder (14, 13, 11 und 6) unserer Freunde schon seit längerem alleine zu ihren französischen Großeltern mit dem Zug fahren, da sehen dann unsere Kinder, was alles gehen kann ;-) deren große Tochter ist auch immer der Joker für alle Austausch-Veranstaltungen an ihrer Schule, letztes Jahr war sie alleine 6 Wochen bei einer amerikanischen Familie. Silencia plant im nächsten oder übernächsten Jahr irgendwie mit der Schule nach Moskau zu gehen. Ich finde es toll, ich war mit 16 alleine mit meinem besten Freund in Paris, mit 17 in Irland (was ganz fürchterlich war, aber auch da lernt man dazu) usw.

(Außerdem raus, raus und selbstständig werden ;-))

julia ha detto...

Oh, ich habe da auch meine Erfahrungen gemacht als Gastschülerin.... mit 13 in England, zum Glück mit einer Freundin zusammen, sonst wäre ich umgekommen ;-), mit 17 in Warschau bei irgendwelchen Altkommunisten, war sehr geheimnisvoll und auch mit 17 in Oxford für 2 Sommerferienwochen in der Uni dort. Das war saucool. Mit 18 war ich dann in USA, zum Glück war es kein Austausch, wir waren uns nicht sehr sympathisch....

Madame hat ihren Austausch nach Frankreich im Frühjahr abgesagt, nachdem die Gastschülerin hier gewesen war und wirkte wie frisch traumatisiert. Das arme französische Kind hatte niemanden,konnte 6 Wörter Deutsch, ich kann kein Französisch, die Lehrerin fand sie auch sehr merkwürdig, die Dolmetscherfreundin konnte auch kein Wort mit ihr wechseln und auch aus der Klasse sprach niemand mit ihr.
Madame ist dann nicht mit. Dass die Entcheidung richtig war, wurde dann von den Klassenkameraden bestätigt. Unsere Gastschülerin sei immer wieder heulend im Unterricht gesessen, habe im Schulhof mit niemandem gesprochen, sei Kreise gelaufen, den halben Tag. Ich hoffe nur für das arme Mädchen, dass es irgendwo Hilfe kriegt.

Alleine Zugfahren nach Zürich tun meine beiden ja schon länger, nun kamen ein paar neue Ziele hinzu, z.B. zur Oma nach Neustadt, in der nöheren Umgebung....Noch ist niemand verloren gegangen ;-)