martedì 19 dicembre 2017

Nun ja ... oder Schwank aus meinem Leben

Heute bekam ich die Email, dass mein neulich - etwas voreilig wie sich dann ja herausstellte -beantragter Reisepass zur Abholung bereit läge. Toll ... nun ja ...
Praktischerweise kann man alle Pass- und Ausweissachen hier bei uns auf dem Dorf erledigen. Die Öffnungszeiten der Verwaltungsstelle sind zwar sehr übersichtlich, der Weg dahin aber ebenfalls (ich schätze so 200m) und da ich ja eh von zu Hause aus arbeite, springe ich dann eben schnell mal rüber - in letzter Zeit sehr viel, weil bei den Kindern alle Ausweise abgelaufen waren bzw. verlängert werden mussten. 


So, und jetzt habe ich wieder einen Reispass und überlege die ganze Zeit a) wann ich das letzte Mal einen hatte und b) wo ich den bzw. die alten hingetan habe - denn ich bin ja so alt, das ich noch zu Zeiten unterwegs war, als man STEMPEL in den Pass bekam - also auch in Europa. Und Visa ... 

Ich saß zum Beispiel mal ... ich denke, das war 1996 ... in Griechenland, genauer in Thessaloniki fest, weil wir - mein damaliger amerikanischer Freund und ich (das war übrigens nicht der, den ich beinahe geheiratet hätte) - für unsere weitere Interrail-Reise ein Visum brauchten. Es gab Gerüchte, dass die Weiterreise über Rumänien und Bulgarien sehr kostspielig (also kostspielig für interrailende Studenten) sei, weil man neben der Gebühren für die zwei Visa auch noch die Grenzbeamte bestechen müsste bzw. damit rechnen müsste, dass man da dann noch eine ... öh ... Extra-Abgabe zahlen müsse. Also entschiedenen wir uns damals für die angeblich günstigere, aber waghalsigere Variante - mitten durch das gerade Kriegspause (also zwischen den Jugoslawien- und Kosovo-Kriegen) machende (Ex-)Jugoslawien. Das mit dem Visum für Jugoslawien dauerte eine Weile (also im Sinnen von 1-2 Tage) und dann ging es mit dem Zug nach - eigentlich - Budapest. 

Aber wir hatten die Rechnung ohne die unübersichtliche Lage auf dem Balkan gemacht - jedenfalls nahm man uns am frühen Abend an der ersten Grenzen (Mazedonien - ich wusste damals nicht einmal, dass das ein eigenes Land sein wollte) schnell mal die Pässe ab, weil wir kein Visum hätten bzw. eben nur eins für Jugoslawien - was heute Serbien und Montenegro ist (natürlich hatten wir uns vorher informiert und niemand hatte uns etwas über ein Visum für Mazedonien gesagt ...). Im Großen und Ganzen war man aber bemüht und freundlich und nach einer gewissen Zeit bekamen wir unsere Pässe mit einem mazedonischen Durchfahrts-Visum wieder. Kostete nicht mal was. 
An der Jugoslawischen Grenze ging es dann trotz gültigem Visum etwas ruppiger zu, man zog uns Mitten in der Nacht aus dem Liegewagen, schrie etwas von "Desinfektion" und mitnehmen durften wir außer den Pässen nichts. Draußen wurden uns wieder die Pässe abgenommen und wir dann nach Nationen getrennt auf dem Bahnsteig aufgereiht (!!) während der Zug "desinfiziert" wurde. Sprich, verschiedene Männer mit großen Kanistern auf dem Rücken und Maske vorm Gesicht liefen durch den hellerleuchteten Zug und bespritzen alles mit einer uns unbekannten Flüssigkeit, während wir uns draußen leicht bekleidet (wir hatten uns nicht mal anziehen dürfen) den Hintern abfroren und ich mir überlegt, was es bedeutete, dass wir (USA und Deutschland) noch einmal deutlich getrennt von Ex-Jugoslawien, Ungarn, Rumänen und Bulgaren aufgestellt worden waren - und warum wir verdammt noch mal die einzigen westlichen Reisenden in (bzw. jetzt ja nicht mehr in) dem Zug waren. 
Nachdem der Zug "desinfiziert" war, mussten wir uns noch "desinfizieren" - man bedeutete uns - es sprach natürlich niemand Deutsch oder Englisch - die Hände mit einer Flüssigkeit zu waschen und uns mit unseren Füßen in eine große Schüssel mit einer Art Schwamm und eine Flüssigkeit zu stellen. Danach bekam alle ihren Reisepass zurück - bis auf uns zwei. Uns lies man noch mal eine Runde warte und ich überlegte in der Zeit fieberhaft, was uns alles schreckliches passieren könnte und wer eigentlich wusste, dass wir gerade irgendwo in der Bergen nördlichen von Skopje waren - niemand, weil wir uns das letzten Mal bei unseren Eltern aus Athen - wenn überhaupt - gemeldet hatten und die Sache mit Jugoslawien eh nicht erwähnt hätten.
Aber natürlich passierte gar nichts, vermutlich amüsierten sich die Grenzbeamten köstlich über die beiden verängstigten interrailenden Studenten - und irgendwann bekamen auch wir unsere Pässe wieder zurück und durften in den Zug zu den anderen.

Ja, und diesen Reisepass habe ich noch irgendwo ... nur wo ... der hat auch noch ein Russisches Visum drin ... und USA natürlich auch ... und dann stellt sich noch die Frage, ob ich den auch noch damals in Genua für den permesso di soggiorno (Aufenthaltsgenehmigung) hatte ...  die nie jemand sehen wollte und wo mir die Genueser Polizeibeamtin dann irgendwann erklärte, dass es völlig lächerlich sei, dass ich alle drei Monate damit zur Verlängerung antanzen würde, weil das eh niemanden interessieren würde und ich als Schwangere solle mir das stundenlange Anstehen in der Questura doch einfach sparen - was ich dann tat, nicht ganz ohne als brave Deutsche natürlich eine Runde Panik zu schieben, was wohl alles passieren könnte, wenn man mich ohne gültigen permesso di soggiorno erwischen würde - nichts natürlich, aber damals war ich auch noch Italien-Anfängerin ;-) .

So und zum Abschluss dieses Schwanks aus meinem Leben - mein neues Passfoto, auf dem ich aus wundersamen Gründen aussehe als sei eben noch 1996 ... und womit ich vermutlich, wenn das denn mit den USA-Foto-Sache geklappt hätte, eh nie in die USA reingekommen wäre:



2 commenti:

Anonimo ha detto...

Schön, dass du wieder öfter schreibst.
Das ist der 1. Blog, den ich gegonnen habe zu lesen, schon vor so vielen Jahren.
Ich wünsche Euch alles, alles Gute für das neue Jahr und bin so gespannt wie es bei Euch weiter geht.
Liebe Grüsse aus den Niederlanden, Yvonne.

IO ha detto...

Vielen lieben Dank :-) Mal schauen, wie lange ich das hinbekomme - notfalls erzähle ich weiter Schwenke aus vergangenen Zeit ... oder so.