lunedì 22 maggio 2017

Zeitreise

Vor ein paar Wochen fragte mich meine Mutter, ob ich am Wochenende (also dem gerade vergangenen) Lust und Zeit (und Nerven) hätte, sich mit meinen Eltern in Karlsruhe auf einer Kunsthandwerksmesse zu treffen. Dort stellt eine Schmuckdesigner aus, die schon öfter Schmuck für meine Eltern gemacht hatte, neulich auch ein paar sehr schöne Ohrringe für mich und ich sollte mir doch mal zeigen lassen, was sie sich bei einem Anhänger für mich vorstelle. Als sich dann wenige Tage später mein bester Freund aus Schulzeiten meldete und mitteilte, dass er nach fast 10 Jahre mal wieder in der alten Heimat vorbeischaue und ob ich vielleicht Lust hätte, ihn zu treffen - da war klar, ich fahre mal schnell - ohne Kinder - übers Wochenende "heem".

Samstagmorgen packte ich also meine Sachen, stieg in den Bus bzw. dann Zug, fuhr recht umständlich, weil die Strecke Tübingen - Stuttgart gesperrt war, nach Karlsruhe auf die Messe. Damit die "Zeitreise" (ich war seit 13 Jahre nich mehr ohne Kinder bei meinen Eltern - also noch nie seit es sie gibt) perfekt wurde, nahm ich mir den autobiografischen Roman So, und jetzt kommst du von Arno Frank (Spiegel, taz) mit.




Arno Frank war nämlich bei mir auf der Schule, drei Jahre über mir und ehrlich gesagt wusste ich von der ganzen Geschichte trotz engerer Kontakte ... nicht zu ihm direkt, aber zu vielen seiner Klassenkameraden und Freunde ... einfach nichts. Also fiel mir erst einmal die Kinnlade runter als ich vor einigen Woche das erste Mal davon las, dass sein Vater ein wirklich krasser Hochstapler gewesen war, der mit seiner Familie durch halbe Europa vor der Polizei geflohen war (dass die Geschichte grundsätzlich stimmt, habe ich dann schnell mal über meine Eltern und deren Freunde klären lassen ;-)). 
Ja, und da sass ich dann im Zug und versank etwas in meiner Kindheit und Schulzeit, weil der erste Teil des Buches natürlich "bei mir daheim" spielt, mein Gymnasium vorkommt, sich Lehrer identifizieren lassen und es natürlich auf Grund des fast gleichen Alters unglaublich viele Gemeinsamkeiten gibt. Noch kurioser wurde es dann als die Familie des Autors dann mit einem Haufen Geld an die Côte d'Azur durchbrennt, wo ich gefühlt jedes Ostern mit meinen Eltern war, weil dort ein Großonkel (oder so) ein Ferienhaus hatte. Die Route du Solei wie ich sie eben aus meiner Kindheit kenne, die Rastplätze, die Straßenschilder usw. 
(Nur einmal muss ich kurz stutzen, genauso wie mein einer Bruder begeistert sich der Autor für den TGV und sichtet im Vorbeifahren einen blau-silbernen. Blau-silber? Das kam mir sehr irgendwie komisch vor, das passt so gar nicht in meine Erinnerungen und - nach kurzer Rücksprache mit meinem Bruder - war auch klar, das kann nicht sein, auf diese Strecke fuhr damals nur der orangene - und die Filmfestspiele sind niemals in den Sommerferien, auch nicht in den französischen)
Im weiteren Verlauf des Buches enden dann die Gemeinsamkeiten, denn das Familienleben der Franks nimmt immer chaotischere und auch für die Kinder ersichtlich kriminellere Züge an, aber trotzdem liest sich das Buch sehr gut. Ich denke, man kann es auch Nicht-"Lautrern" empfehlen. 

In Karlsruhe dann Treffen mit meinen Eltern, Besuch der Messe, ich "bastle" mir einen Anhänger zusammen, dann geht es weiter nach Kaiserslautern und ich treffe mich am Abend mit meinem Schulfreund, der inzwischen nach Jahren in den USA mit Frau und Kindern in Australien lebt. Wir sind jeweils der einzige Kontakt des anderen aus unserer Klasse/Stufe. Wir konnten damals eher wenig mit den anderen aus unserer Klasse anfangen und die Kontakte, die wir mit den wenigen Leuten, mit denen wir was anfangen konnten, noch hatten, sind inzwischen auch nicht mehr vorhanden. Wir sitzen in einer der zwei Stammkneipen aus unserer Schulzeit, die andere gibt es nicht mehr, die, in der wir sind, hat sich Gott sei Dank NULL verändert. Wir "are catching up", erinnern uns an alte Zeit (wir waren zum Beispiel mit 16 zusammen alleine in Paris) und obwohl wir uns in den letzten 15-17 Jahren kaum mehr als drei oder vier mal gesehen haben, ist alles wie früher.



(ich vor genau 25 Jahren .... *uah*)


Wir verabreden uns für den nächsten Nachmittag, ich möchte seien Frau und die Kinder kennenlernen, praktischerweise wohnen sie diese Woche "Airbnb"-mäßig neben meinen Brüdern. Den Vormittag verbringe ich bei meinem Bruder mit Familie und arbeite mich durch mehrere Umzugskartons mit Babykleidern durch, damit wichtige Erinnerungsstück nicht weggegeben werden (ich habe unsere Kinderkleider alle an meine Nichten weitergegeben, meine Schwägerin will die Kleider, aus denen ihre Mädchen jetzt ausgewachsen sind, weiter verschenken und verkaufen und so ein paar Sachen .. an denen hängt dann doch mein Herz, vor allem weil es auch noch Sachen gibt, die ich als Kind anhatte.).
Am Nachmittag hadere ich kurz ein wenig, dass ich nicht doch versucht habe, mit meinem Bruder auf den Betze zu gehen und dem FCK beim Kampf gegen den Abstieg in die 3. Liga beizustehen (aber es ging ja auch so gut aus), treffe mich mit meinem Freund samt Familie, wünsche ihnen zum Abschied, dass sie ihr Programm (München, Paris und dann wieder zurück nach Sidney mit zwei Kindern im Alter von 2 und 4 ...) heil überstehen und schau noch mal bei meinem anderen Bruder samt Freund vorbei, die sich erst langsam von einer Hochzeit am Tag vorher erholen. KurzecAbsprache über eventuell gemeinsame Urlaubspläne im August am Lago, dann noch eine Runde gemütliches Beisammensein im Garten mit allen und schon muss ich mich beeilen, meinen Zug zu bekommen. 

Weil die Hinreise so entspannt war, meine ich noch beim Abschied zu meinen Eltern, dass ich vielleicht doch mal wieder mit den Kindern übers Wochenende komme (wovon ich nach endlosen Staus auf der A8 Abstand genommen haben, weil ich immer wieder für eine Strecke, für die man mal 2,5 Stunden gebraucht hat, 5 Stunden im Auto sass und das für nicht mal 48 Stunden Besuch einfach keinen Sinn macht). Im ersten Zug nach Mannheim nehme ich davon sofort wieder Abstand, obwohl ich noch vor den 10tausenden Fußball-Fans aus der Stadt rauskomme, ist der Zug rappelvoll, die Koffer stapeln sich, die Menschen quetschen sich in die Gänge und Zwischenräumen und haben eigentlich allen noch vorhandnen Sauerstoff aufgebraucht. 
In Mannheim dann Umstieg in den ICE, der erst einmal nicht abfährt, weil er überfüllt ist (ich denke mir, dass mein Zug davor vermutlich eigentlich auch nicht hätte fahren dürfen...), zwei vorhergehende ICEs in die gleiche Richtung haben Verspätung bzw. sind eben noch nicht angekommen, also wollen drei Zugladungen in Richtung Stuttgart. Irgendwann gebe ich auf und räume meinen Sitzplatz (!), weil ich meinen eigentlichen Anschlusszug nach Herrenberg eh nicht mehr bekommen werde und somit auch auf einen der verspäteten, aber bald eintreffenden ICEs warten kann. 
Nach Stuttgart brauchen wir dann doch überraschend lange, ich whatsappe miomarito, der mich in Herrenberg abholt, dass es noch später wird, weil ich vermutlich auch die nächste S-Bahn verpassen werde. In Stuttgart dann Aufstiegsstimmung und ich samt Koffer mittendrin, sprinte aus dem Bahnhof, runter in die S-Bahn durch eine Millionen Leute und weil - Überraschung! - in Stuttgart so viele Leute unterwegs sind, geht da eh gar nix und die S-Bahn fahren nicht mehr wirklich nach Plan. Ich bekomme also noch eine S-Bahn raus nach Herrenberg, wo mich dann miomarito und Tertia in Empfang nehmen. Das mit dem Zugfahren und Kinder am Wochenende lassen wir dann doch lieber.

So, uns jetzt wieder Gegenwart und normaler Alltag.




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