mercoledì 30 marzo 2016

Und, was schaust du?

Neben dem omnipräsenten House of Cards (4. Staffel) haben ich in den letzten Wochen noch weitere Serien geschaut, so zum Beispiel  die von amazon produzierte Serie Transparent (Trailer lässt sich irgendwie nicht einbetten)

Ich hatte irgendwo gelesen, dass die Serie Emmys und Golden Globe gewonnen hat und war auf Grund des doch eher ungewöhnlichen Themas (pensionierter Professor und Familienvater outet sich als Transgender) entsprechend gespannt. Zunächst war ich angesichts der etwas wirr erscheinenden Handlung, den ständig neu und ohne Einführung auftauchenden Personen und des irgendwie anscheinend ja doch schon vollzogenen Comingouts irritiert ... dann realisierte ich nach drei Folgen, dass ich aus Versehen bei der 2. Staffel eingestiegen war ... Also noch mal ganz von vorne.

Ich muss gestehen, ich hatte eine völlig falsche Vorstellung, was mich in der Serie erwarten würde und miomarito musste sich auch die ein oder anderen Rede von mir  anhören ;-) was aber ja immerhin zeigt, dass einem die Serie nicht unberührt lässt. Die Serie ist auch sehr gut gemacht, die Schauspieler hervorragen, die Dialoge wirken wie privat mitgeschnitten und sehr überzeugend, aber zum einen hat es die Autorin meiner Meinung manchmal zu gut gemeint und packt alles, aber auch wirklich alles zum Thema Gender, Lesbisch und Transgender in die Serie und zwar samt theoretisch-interlektuellem Überbau, so dass die Serien dann doch sehr abgehoben wirkt. Zum anderen kommt dazu, dass die Hauptfigur wie gesagt ein pensionierter, sehr wohlhabender ehemaliger Professor ist, der mit seiner Familie in einer komplett von den Niederungen des Alltags, der Erwerbsarbeit und sonstigen Sorgen der Welt befreiten weiß-jüdischen Blubberblase lebt (ich glaube, ich habe in der ganzen Serie keine einzige schwarze oder lateinamerikanische Person gesehen).
Apropos Familie, wow, ich - zugegebenermaßen aus einer wunderbaren und funktionierenden Familie kommend - hatte in jeder Folge mehrmals Lust, die gar nicht unsympathischen verschiedenen Mitglieder dieser Familie zu schütteln und ihnen zu erklären, dass sie jetzt verdammt doch erst mal ihr Leben in den Griff bekommen und den anderen Menschen in ihrem Leben mal zuhören sollten, bevor sie sich ins nächste angeblich Gender-Trans-Sex-Drama zu stürzen.
Ich weiß nicht, wie es anderen Zuschauern geht, aber diese Kombi (aus realitätsferner Blubberblase und eh kaputter Familie) hat bei mir dafür gesorgt - leider - dass ich die ganze (Trans)Gender-Problematik irgendwann nicht mehr so ganz ernst nehmen konnte, weil sie (wie auch der irgendwie komplett unmotivierte Wechsel von sexueller Orientierung) einfach nur eine weiterer Facette /Steigerung von wow-my-life-is-so-fucked-up wirkte.
So ganz verstehe ich da auch die Autorin nicht, die hier das Transgender-Comingout ihres eigenen Vaters als Vorlage benutzt hat. Ich würde behaupten, alleine die Tatsache, dass sich ein Familienvater nach ... ich weiß nicht ... über 60 Jahren dazu entschließt, die Tatsache, dass er sich eigentlich schon immer als Frau /Mädchen gefühlt hat, öffentlich und sichtbar zu machen, ist eigentlich ein großes und serienfüllendes Thema. Warum man dann noch so viel dazu schmeissen muss, ist mir ein Rätsel (das Ganze gipfelt in irgendeiner nicht ganz (haha) ausgereiften Verknüpfung von Judentum, Holocaust und Transgender)

Trotzdem, irgendwie sind mir die Familienmitglieder doch ans Herz gewachsen und ja, ich habe abends meist mehrere Folgen (a 30 min) verschlungen, ich werde vermutlich auch die 3. Staffel sehen wollen und eigentlich würde ich auch jedem mal empfehlen, in die Serie reinzuschauen (wenn möglich auf Englisch) und dann selbst zu entscheiden, ob man mehr sehen möchte.

[Hier interessante Artikel zu der Serie: Spiegel, FAZ (Interview mit der Autorin) und SZ.]


Die nächste Serie die ich geschaut habe wurde mir vermutlich von amazon auf Grund meines Sehverhaltens (aka Mozart in the jungle)  vorgeschlagen, von alleine wäre ich sicher nicht auf die Idee gekommen, mir eine (!!) Ballett-Serie anzuschauen. Flesh and Bone ist eine Mini-Serie, in der die junge Claire nach New York City kommt, um dort als Balletttänzerin zu arbeiten. Auch hier gibt es wieder viel kaputte Familie, dazukommt das harte Ballett-Leben a la - wie zu lesen ist - Black Swan (habe ich nicht gesehen), die Konkurrenz der Tänzer untereinander, Intrigen, ein tyrannischer Chef, eine Primaballerina auf absteigendem Ast, Prostitution usw.




Auch das ist keine Wohlfühl-Serie und auch hier musste ich mich zusammenreißen, nicht aufzuspringen und Leute zu schütteln ;-) Die Szenen in der Ballett Company, in denen einzelne Tänzer oder aber auch gleich die ganze Truppe gedemütigt und blossgestellt werden, erinnerten mich sofort an meine Schulzeit (und meine damit verbundener Aufstand-Wut) so dass ich am liebsten wieder wie früher aufgesprungen wäre und mich vor den Trainer gestellt und ihm wütend erklärt hätte, wie arm es ist untergebene Abhängige in solcher Form zu behandeln und was das für Rückschlüsse auf seinen Charakter und mangelndes Selbstbewusstsein zu lässt (und ja, ich habe in der Schule auch viel Zeit vor der Tür verbracht ... ) Im Klartext, wenn die Ballett-Welt auch nur ansatzweise so wie dargestellt ist, hätte ich absolut keinen Chance ;-) (haben die eigentlich keine Gewerkschaft wie die Musiker?!)

Zurück zu Serie, die Schauspieler sind alles echte Tänzer, die Hauptdarstellerin Sarah Hay Halbsolistin an der Semperoper und so wirken die Ballettszene alle sehr, sehr toll und echt. Ich fand auch die restlichen Darsteller sehr gut, die Geschichte vielleicht wieder etwas überladen, aber ich meine gelesen zu haben, dass die Story ursprünglich für mehrere Staffeln geplant war und dann etwas zusammengestampft wurde. Weitere Staffeln sind nicht geplant. Trotzdem sehenswert, auf Englisch geht das wirklich gut, da niemand einen seltsamen Dialekt spricht oder nuschelt - okay, viel russischer Akzent, aber trotzdem.

Zwischendurch habe ich übrigens noch New Girl geschaut - zum Lachen und Lustigsein, so viel kaputte Menschen hält man ja sonst auch nicht aus.

4 commenti:

Jongleurin ha detto...

Ich schau ja Netflix, aber trotzdem gebe ich meinen Senf dazu - manchmal bekommt man die Serien ja auch anderweitig: in Fargo bin ich gerade sehr verliebt, nachdem ich mich einige Folgen lang an den Splatter-Anteil gewöhnen musste. "How to get away with Murder" finde ich auch gerade sehr unterhaltsam, wenn auch die durchgängigen Parallel-HAndlungs-Fetzen nerven... aber gut, Augen zu und durch.
Na, und House of Card sowieso :-)

IO ha detto...

Netflix-Tipps sind super, ich liebäugle nämlich damit, sobald wir unser blödes sky losgeworden sind. miomarito hätte gerne Mubi und ich eben Netflix, weil ich ja doch eher Serien schaue.
Bei amazon probiere ich jetzt als nächstes the night manager (John le Carré) aus - hab aber noch nicht mal reingeschaut, kann also noch nichts sagen.

stadtfrau ha detto...

transparent hat mich irgendwie komplett kalt gelassen. für das viele drama sind kaum emotionen auf mich übergesprungen. die zweite staffel hab ich dann auch sein lassen. flesh and bone notier ich mir! :)

IO ha detto...

Nachtrag: Ganz toll ist der night manager! Hab's in zwei "Rutschen" angesehen. Tolle Bilder (mein Fotografenherz!), tolle Umsetzung des Buches, tolle Schauspieler (Tom Hiddleston - mein Frauenherz! ;-)) und tolle Figuren (Angela Burr, die hochschwangere, bodenständige Geheimdienstfrau), so britisch, britischer als James Bond, einfach klasse.