Ungute Kombination: Zeitdruck und Kleinkind, schlechte Kombination: Zeitdruck, Kleinkind und kaum Schlaf, katastrophale Kombination: Zeitdruck, Schlafmangel und glühendes Kleinkind. Also ein Vormittag Extra-Schlaf und Ibuprofen fürs Kind. Den Zeitdruck erwähnte ich schon?!
Wenn Sie vorhin ein sehr lautes Geräusch gehört haben, dann war das der Felsbrocken, der mir vom Herzen gefallen ist, als ich mir die letzte Ladung Bilder angesehen habe. Die Ladung des Freitagvormittags, an dem ich nur mal eben schnell drei, vier Bilder von Archiv-Regalen machen sollten. Die Regale standen dann nur nicht mal einen Meter auseinander, d.h. hätte ich mir nicht doch noch schnell das Weitwinkel-Objektiv gekauft gehabt, hatte an diese Stelle sagen müssen, sorry, aber ... geht nicht. So konnte ich - nachdem ich einen kleinen Nervenzusammenbruch gut überspielt hatte - immerhin das Stativ in den Gang stellen (ich passte nicht mehr dahinter) und ca. 100 Bilder von jeweils einem Regal-Fach machen. Immer schön im gleichen Abstand ... während Tertia einen kleinen Brüll-Anfall hatte, weil sie raus aus dem Archiv wollte. Das Ganze wird dann nächste Woche zusammen gepuzzelt und dient als Wandbespannung in einem der Ausstellungsräume.
Ach so, und die Bilder sind scharf, anständig belichtet, nicht völlig verzogen und können benutzt werden. Purzel, purzel, Felsbrocken.
Apropos Weitwinkel. Wie konnte ich jemals in Genua fotografieren und kein Weitwinkel haben?! Endlich, endlich kommt die Stadt so rüber wie sie ist (Irgendwann gibt es dann auch Bilder zu sehen).
Wir waren von Morgens bis Abends unterwegs, Tertia und ich, teilweise mit miomarito, teilweise habe ich den Kameramann und den Museumsdirektor durch die Gassen geführt und weil es im Archiv nicht ganz so wie geplant lief waren Tertia und ich auch sehr viel alleine unterwegs ... dann hat Genua übrigens überraschend viele Treppen und auch ist viel steiler als sonst, wenn man nicht ein Kleinkind im Kinderwagen, die Kameratasche, Objektive, das Stativ und was weiß ich noch alles durch die Gegend karren muss. Und entspannt ist auch etwas anderes.
Sollten Sie in Santa Maria di Castello gewesen sein, ja die Frau, die im 2. Stock des Kreuzganges strümpfig auf der Fensterbank stand war ich. Der Perspektive wegen. Und das brüllende Kind in der Sakristei war Tertia.
Wir waren viel essen - und miomarito und ich viel vor der Tür, weil Tertia nur bedingt kooperativ war, was die Schlafenszeiten anging (oder das Benehmen im Lokal) und wir auch noch am 4. Tag der irrigen Meinung waren, wenn wir nur lange genug mit dem Kinderwagen hin und her fahren würden, dann würde das müde Kind bestimmt auch endlich mal einschlafen. Aber ich habe ein paar tolle neue Tipps für Genua-Reisende. Irgendwann demnächst mal.
Das aller-, allerschönste war übrigens Tertia, die nach unserer Ankunft in Genua freudestrahlend im Kinderwagen kniete, sich begeistert nach den vielen Menschen, Autos, Vespas, Motorini und Hunden umschaute und in einem fort
DA! HA! DA! HA! MAMA! DA! schrie. Endlich mal was los! Als habe sie ja bereits geahnt, dass es etwas mehr in der Welt zu sehen gibt Tübingen und unser Dorf. (Insgesamt war es dann natürlich etwas viel für das arme Kindchen)
Auch schön, spontan Freunde zu treffen, alte Bekannte wieder zu sehen, vom ehemaligen Hausmeister immer noch erkannt zu werden und im alte Stamm-Restaurant gefragt zu werden, ob man früher nicht ... man käme einem so bekannt vor. Also immer noch irgendwie ein Teil davon zu sein. Wenigstens so ein kleines bisschen.