mercoledì 17 febbraio 2010

Wo die Zitronen blühen

... ist schon mal ein ziemlich idiotischer Titel für den Krimi von Marco Videtta und Massimo Carlotto, der im Original einfach Nordest heisst (aber über die Übersetzungsfehler habe ich ja schon gemotzt).




Das Buch ist in der ersten Hälfte wirklich gut, entwickelt sich vom sehr persönlichen Schicksal der ermordeten, kurz vor ihrer Hochzeit stehenden Giovanna zur Anklage gegen Ökokriminalität, Ausbeutung und Korruption einer gesamten Gesellschaft. Leider lässt die Spannung dann nach, relativ schnell steht fest, wer eigentlich der Mörder sein muss und die Figuren entwickeln sich dann teilweise doch nicht über eine gewisse Holzschnittartigkeit heraus.

Über was ich mich ehrlich gesagt aber am meisten amüsiert habe, sind die deutschen Leser-Kritiken im Internet, die sich gerne darüber mokieren, dass die Autoren ein zu düsteres Italien-Bild zeichnen, dass die vielen Figuren auf Grund ihrer italienischen Namen so verwirrend seinen (Frechheit, warum werden die nicht mit übersetzt), dass das Italien-Bild voller Klischee sei (Mafia, Müllkriminalität - das sind natürlich Klischees keine echten Probleme?!) und dass das so gar nicht mit ihrem Urlaubs-Italien-Bild zusammen passe.

Dass Carlotto eben kein Zitronen blühendes Italien beschreibt, könnte neben der Tatsache, dass er ja nun kein von der Sehnsucht getriebener deutscher Dichter oder Urlauber ist, daran liegen, dass er früher nicht nur der Gruppe Lotta Continua angehört hat, sondern auch im Zentrum einer der kontroversesten Gerichtsfälle der italienischen Geschichte stand - wo er des Mordes an einer von ihm in seiner Wohnung gefunden Studentin zunächst freigesprochen, dann verurteilt wurde, nach Frankreich und Mexiko flüchtete, dann ausgeliefert, wieder frei gesprochen, dann wieder verurteilt und schließendlich vom Präsidenten 1993 begnadigt wurde.

Ich denke, die Zusammenarbeit mit dem Drehbuchautor Videtta kann man als eher misslungen bezeichnen, trotzdem kann man das Buch lesen und ich werde auf jedenfalls die anderen Krimis und Bücher von Carlotto lesen.

Ich bleibe vorerst lesetechnisch in Italien, kehre aber nach Genua zurück (auch wenn Anna jetzt mit den Augen rollt) und schwelge bei Bruno Morchio in Erinnerungen. Und das Buch rechts in der Spalte muss ich auch noch zu Ende lesen.

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