mercoledì 17 febbraio 2010

Sorgenkinder

Ich gestehe, dass die nun folgend Buchempfehlung wohl eher weniger für die breite Masse gedacht ist, aber dennoch möchte ich ein paar Sätze zu Iris Ritzmanns Buch Sorgenkinder - Kranke und behinderte Mädchen und Jungen im 18. Jahrhundert verlieren.

Zunächst einmal, das Buch ist natürlich nichts für schnell ein paar Seiten im Bett vorm Einschlafen sondern eine wissenschaftliche Arbeit, die Konzentration erfordert, sich aber erfreulicherweise dennoch gut lesen lässt (jedenfalls wenn man Geschichte studiert hat ...). Iris Ritzmann ist Privatdozentin am Medizinhistorischen Instituts der Uni Zürich und - wenn ich mich nicht täusche - ist das Buch ihre Habilitation (oder daraus hervorgegangen).



Ich fand das Thema sehr interessant, weil es doch ein mit sehr vielen Vorurteilen behaftetes ist (und weil - ganz persönlich - das Buch eine Art Schnittstelle zwischen mir (Geschichte) und meinem Vater (Sonderpädagogik) ist). Ritzmann zeigt, dass auch vor 300 Jahren Eltern ihre Kindern sehr geliebt haben, sich sehr um sie gekümmert haben und auch bei behinderten und kranken Kinder keine Kosten und Mühen gescheut haben, damit diese entweder geheilt wurden oder die bestmögliche Pflege und eventuell auch Unterbringung bekamen (Trotz Rousseaus und hoher Kindersterblichkeit).
Auch interessant fand ich es zu lesen, dass sich die Mütter zum einen sehr selbstbewusst für ihre Kinder bzw. für die in ihren Augen richtige Behandlung der Krankheit eingesetzt habe und wie zum anderen die - natürlich männlichen - Ärzte versucht haben, bei fast jeder Krankheit die Schuld bei der Mutter bzw. der Amme zu suchen.

Daneben gibt es auch so kuriose Dinge zu entdecken, wie zum Beispiel die Tatsache, dass es tatsächlich den Väter/Ehemännern oblag, die geeignete Amme für das Kind auszusuchen (an Hand deren Brüste, dazu gibt es auch Literatur, also über die richtige Form, Größe, Beschaffenheit usw.).
Schön auch eine Liste aus dem 18. Jahrhundert die den Untergang des Abendlandes die Verzärtelung der Jugend und deren daraus resultierenden Erkrankungen eindeutig an der ungesunden und gefährlichen Lektüren von Büchern generell, besonders aber des Romans und der Reiseliteratur sowie des Besuchs von Oper und Theater festmacht (Nur für den Fall, dass das Abendland mal wieder wegen Film, Fernsehen und Computerspielen droht unter zu gehen bzw. die Jugend vor die Hund).

Das Buch hat eigentlich keine so kurz vor dem Abendessen zusammengeschriebene Kritik verdient, aber ich bin müde und eine ersthafte, wissenschaftliche Rezension würde ja auch den Rahmen "etwas" sprengen, daher noch einmal der Hinweis auf die FAZ, wo dies schon sehr treffend getan wurde.

Das Buch ist natürlich nicht gerade günstig zu erwerben, aber vielleicht läuft es dem einen oder anderen in der Unibibliothek o.ä. über den Weg und dann ist ein längerer Blick hinein wirklich zu empfehlen.

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